Fünf Gründe, warum der Iran-Konflikt so gefährlich für Deutschland ist

Nah-Ost-Konflikt

Räumlich ist der Iran-Konflikt weit weg. Politisch und wirtschaftlich hat er aber schon jetzt Auswirkungen auf Deutschland. Und das könnte erst der Anfang sein. Die fünf größten Gefahren.

Berlin

von Christian Burmeister

, 08.01.2020, 09:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
Fünf Gründe, warum der Iran-Konflikt so gefährlich für Deutschland ist

Die amerikanische Botschaft in Berlin. Der Iran hat die Fähigkeiten, auch in Deutschland Anschläge auszuführen, sind sicher die Sicherheitsdienste sicher. © dpa

Mit der Liquidierung des iranischen Generals Assam Soleimani hat der amerikanisch-iranische Konflikt eine neue Dimension erreicht. Das hat auch massive Auswirkungen auf Deutschland. Ein Überblick.

Erhöhte Anschlagsgefahr

Die Bundesregierung hat einen Teilabzug der etwa 150 deutschen Soldaten aus dem Irak angeordnet. Der Schritt erfolge auch aus Sicherheitsgründen, erklärte Außenminister Heiko Maas (SPD) am Dienstag. Offenbar fürchtet die Bundeswehrführung Angriffe. Die verbliebenen Soldaten dürfen bereits seit Freitag ihre Stützpunkte nicht mehr verlassen. Die Mullahs hatten zuvor alle US-Soldaten in der Region zu „Terroristen“ erklärt.

Sollte der Iran nun in ihrem angekündigten Rachefeldzug auf Terroranschläge außerhalb des Nahen Ostens setzen, wären vor allem jüdische und amerikanische Einrichtungen in Deutschland akut gefährdet. „Die deutschen Sicherheitsbehörden wissen, dass der Iran unter Nutzung von ihm gesteuerter Organisationen das Potenzial hat, auch in Deutschland Terroranschläge auszuführen“, sagte der Ex-Chef des Bundesnachrichtendienstes, August Hanning, dem „Tagesspiegel“. Sollten die USA oder US-Truppen direkt angegriffen werden, könnte Washington auch den Nato-Bündnisfall ausrufen.

Steigende Preise

Öl ist in den vergangenen Tagen immer teurer geworden. „Steigen die Rohölpreise in Folge einer weiteren Eskalation nun dauerhaft weiter an, würde das Heizöl-, Benzin und Dieselkosten auch in Deutschland in die Höhe treiben - und damit Unternehmen wie Verbraucher empfindlich treffen“, sagte Volker Treier, Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie und Handelskammer.

Der Iran kontrolliert mit der Straße von Hormus die wichtigste Öl-Handelsroute der Welt. Verbündete Teherans hatten in der Vergangenheit auch Ölförderanlagen in Saudi-Arabien angegriffen. Teureres Öl wirkt sich auch negativ auf die Weltwirtschaft insgesamt aus - und kaum ein anderes Land ist bei den Arbeitsplätzen so abhängig vom Export wie Deutschland.

Weitere Spaltung des Westens

Der Westen ist bereits gespalten. Der Konflikt mit dem Iran verschärft die Situation noch einmal und gefährdet so indirekt die Stabilität. Die Europäer wollen das Atomabkommen mit dem Iran retten, Trump will es zerstrümmern und drängt die EU zu Sanktionen. Die Sprache wird auch immer hitziger.

Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte bereits, es könne die Tötung Solaimanis durch das US-Militär völkerrechtlich „nicht nachvollziehen“. Und die Drohung Trumps, möglicherweise auch kulturelle Stätten im Iran anzugreifen, ist in Europa nicht nur von den Regierungen mit kaum verhohlener Fassungslosigkeit aufgenommen worden. US-Außenminister Mike Pompeo äzt seinerseits Richtung Europa: „Sie sind nicht hilfreich.“

Die „Schurken“ gewinnen an Einfluss

Der Irak wendet sich von den USA und Europa ab. Das irakische Parlament forderte bereits den Abzug aller ausländischer Soldaten, insbesondere der US-Truppen. Das mehrheitlich schiitische Land könnte damit vollständig unter iranischen Einfluss geraten.

Gestärkt würde dadurch auch Russland - Wladimr Putin kämpft in Syrien bereits gemeinsam mit den iranischen Mullahs an der Seite des Machthabers Baschar al-Assad. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Maas reisen am Samstag nach Moskau. Dabei dürfte es auch darum gehen, eine direkte militärische Einmischung Russlands im Irak zu verhindern.

Und: Die Hardliner in Irans Führungsriege haben seit der Tötung Soleimanis Oberwasser. Selbst viele, die dem Regime eigentlich fern stehen, versammeln sich momentan aus Nationalstolz hinter den Mullahs. Die kündigten eine Wiederaufnahme der Urananreicherung an. Erlangte der Iran doch eines Tages Atomwaffen, wäre die Folge wohl ein atomares Wettrüsten in der Region. Beides wäre für Europa ein Alptraum.

Mögliche neue Fluchtbewegungen

Eigentlich war der Irak gerade auf einem guten Weg. Der „Islamische Staat“ war militärisch besiegt, die verschiedenen Milizien im Land spielten eine immer kleinere Rolle. Nun könnte der Iran den Bürgerkrieg wieder anheizen. Experten fürchten auch ein Wiedererstarken des IS in der Region. Die Folge wäre wohl zwangsläufig die nächste massive Fluchtbewegung in die Nachbarländer und in Richtung Europa.

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