Fünfter Dalai Lama gab Exponat in Auftrag

Ausstellung Situation Kunst

Für die Situation Kunst ist es eine Sensation. Einem tibetischen Rollbild mit der Darstellung des Buddha Vairocana konnte als Auftraggeber der fünfte Dalai Lama zugeordnet werden. Die Erforschung dieses Thangkas aus dem Jahr 1668 war Ausgangspunkt für eine so ungewöhnliche wie spannende Ausstellung. „Von Thangka bis Manga“ bietet Bild-Erzählungen aus sechs Jahrhunderten.

BOCHUM

von Von Ronny von Wangenheim

, 20.04.2012, 18:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gleich vier Mangas können Besucher im Kubus von Situation Kunst lesen. Weitere Beispiele gibt es in Buchform.

Gleich vier Mangas können Besucher im Kubus von Situation Kunst lesen. Weitere Beispiele gibt es in Buchform.

Auf der anderen Seite konnten sie zusammengerollt bequem transportiert werden, um mit ihren Bildern Menschen den Glauben zu vermitteln. Dargestellt wird nicht nur das Leben Siddharta Gautamas, des Verkünders der buddhistischen Lehre. Gezeigt wird auch das Leben Buddhas im Kreis der vielen Wiedergeburten bis zur endgültigen Erleuchtung. Um zu zeigen, wie in verschiedenen Religionen Bilder unterschiedliche, aber auch gemeinsame Aufgaben erfüllen, hat Kuratorin Dr. Iris Poßegger eine andere zentrale asiatische Religion, den Hinduismus, einbezogen. Miniatur- und Palmblattmalerei zeigen Begebenheiten aus dem ereignisreichen Leben Krishnas. Als sie entdeckte, wie auch hier auf einem Blatt mehrere Szenen zeitlich aufeinander folgten – teilweise mit Text kombiniert – war der Schritt zum Manga, der japanischen Form des Comics, nicht weit. Dabei entdeckte sie auch religiöse Themen.

Eines der vier an den Wänden in Großformat ausgestellten Mangas stellt das Leben Buddhas dar. Aber auch das in Japan berühmte Manga „Barfuß durch Hiroshima“, in dem Keiji Nakazawa als Überlebender des Atombombenabwurfs seine Geschichte verarbeitet, ist vertreten. Während die Ausstellung im Kubus gezeigt wird, muss man für den Buddha Vairocana in die Dauerausstellung von Situation Kunst gehen. Hier ist das Rollbild in der Asien-Sammlung ausgestellt. Was für ein Schatz hier beherbergt wird, stand lange nicht fest. Erst als Berliner Studierende die Werke wissenschaftlich erforschten und dafür den Tibetologen Andreas Kretzschmar hinzuzogen, kam die Sache ins Rollen. Der war so fasziniert, dass er ein Jahr lang forschte, und ausgehend von der Inschrift auf der Rückseite die Geschichte des Werks entschlüsseln konnte.