Für Handy-Knipser muss der rote Raum die Hölle sein

Osthaus-Museum Hagen

An dieser Stelle könnte man einen Scherz über Kunst im Rotlichtmilieu machen. Aber lassen wir das. Tatsache ist, dass die Ausstellung "Der rote Raum" im Osthaus-Museum Hagen eine aufregende, allerdings auch etwas anstrengende Sinnes-Erfahrung bietet.

HAGEN

, 01.07.2016 / Lesedauer: 2 min
Für Handy-Knipser muss der rote Raum die Hölle sein

Der rote Raum gibt viele Rätsel auf - bietet aber auch eine verblüffende Sinnes-Erfahrung.

"Das ist eine echte Verwandlung", sagt denn auch Museumsdirektor Tayfun Belgin über das, was drei junge Künstler mit dem ehrenwerten Expressionisten-Saal des Hauses angestellt haben. Möglich geworden war das faszinierende Projekt dadurch, dass Belgin die Gemälde von Heckel und Kirchner nach Wien und Hamburg ausgeliehen hat. So konnten Philip Seibel, Lukas Schmenger und Andreas Schmitten die roten Laternen anknipsen.

Folie vor dem Oberlicht

Oder besser: Die roten Folien auflegen. Das Oberlicht und die Scheinwerfer wurden damit abgedeckt. Zudem schuf das Trio, so unterschiedlich es auch arbeitet, allesamt rote Kunstwerke. Die riesigen Masken von Lukas Schmenger erinnern ans antike Theater, zeigen aber Gesichter mit unregelmäßigen, verletzten, geflickt oder geschunden wirkenden Oberflächen. Philip Seibel führt den Betrachter aufs Glatteis: Seine Tafeln sehen aus wie Holzfurnier - aber die vierte ist ein Gemälde und bei den drei anderen ist das natürliche Material stark bearbeitet.

Am heftigsten grübelt der Betrachter über die dritte Arbeit. Das 3,70 Meter große Objekt mit dem Titel "Die Nacht" von Andreas Schmitten steht im ehemaligen Klaviersaal. Tatsächlich erinnert seine Form vage an ein Metronom. 14 Fächer verbergen ihren Inhalt durch in Falten gelegte Vorhänge. Nur ein Gardinchen ist zerrupft, ein Ventilator hält den Fetzen in Bewegung. Die Skulptur ist handfest und bleibt doch ein Geheimnis - wie ein Bild von Magritte.

Rätsel der roten Kammer

Die Rätsel dieser roten Kammer will das Trio nicht auflösen. Eine Antwort gibt es aber auf die Frage, warum sich die Künstler für Rot entscheiden haben. "Grün war zu sehr Gewächshaus, Gelb zu brav und violettes Licht gibt´s in jeder Shisha-Lounge", sagte Andreas Schmitten.

Das Rot führt jedoch zu seltsamen Erscheinungen: Der Betrachter sieht es, je länger er sich im Raum aufhält, immer weniger. Dafür setzt nach ein paar Minuten der Fluchtinstinkt ein. Und für Handy-Knipser muss der Raum die Hölle sein: Die Geräte spinnen plötzlich wegen der irrwitzigen Lichtverhältnisse.

Osthaus-Museum Hagen: "Der rote Raum", Hochstr. 73, 3.7.-4.9.2016, Di-So 11-18 Uhr, Eröffnung am Samstag (2.7.2016) um 16 Uhr.

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