Für immer ein Flittchen?

WLT zeigt "4YourEyesOnly"

Wut, Eifersucht, üble Nachrede gab es immer schon unter jungen Leuten. Zu Zeiten von Facebook und Co. gewinnt die Gerüchteküche aber eine Sprengkraft, die schon Teenager in den Suizid getrieben hat.

Castrop-Rauxel

, 14.04.2015 / Lesedauer: 2 min
Für immer ein Flittchen?

Im Stück "4YourEyesOnly" geht es um den Ruf eines Mädchens im Internet. Das Stück ist geeignet für junge Menschen ab 13 Jahren.

"Cyber-Mobbing" heißt das Stichwort, Rufmord übers Internet. Esther Rölz' Stück "4YourEyesOnly" (Sonntag am Westfälischen Landestheater uraufgeführt) ist eine Fallstudie, die die Mechanismen einer Eskalation beleuchtet, die in die Katastrophe führt. Ein erhellendes Schlaglicht auf die Generation Internet, psychologisch einleuchtend, sprachlich auf Augenhöhe mit den Schülern von heute.

Carola von Seckendorffs Inszenierung kann auf Darsteller vertrauen, die jung genug sind, um als Teens durchzugehen, und gut genug, um Ausbrüche jugendlicher Raserei mit intensiver Wucht zu spielen. Maximilian von Ulardt gibt den Außenseiter Sven, an der Penne als "Voll-Spast" und Spinner verschrieen.

Wortkarger Außenseiter

Der wortkarge Sonderling daddelt Ego-Shooter, er spielt auch Gitarre, am liebsten kapselt er sich vorm Rechner ein. Von Ulardt stattet diesen sozialen Autisten mit einer fiebrigen Energie aus, die nichts Gutes erwarten lässt. Sven ist verliebt in Anouk (Viviane Vanessa Eggers), die seine heimliche Obsession wird.

Anouk ist verbandelt mit Kian (Philip Butz), der sich mit Sven einen Kleinkrieg liefert, ihn in der Clique demütigt und Fotos davon ins Netz stellt. Kian weiß nicht, dass es Sven ist, der unter Falschnamen mit seiner Freundin chattet und Anouk Avancen macht. Die fällt aus allen Wolken, als Sven die Maske fallen lässt - und weist ihn ab.

Gehässiger Shitstorm

Sven tobt. Kian wittert dennoch Verrat und rächt sich an Anouk, indem er sie im Internet als Schlampe hinstellt. Sven haut in die gleiche Kerbe. Anouk, am Boden zerstört, steht im Zentrum eines gehässigen "Shitstorms". So geht das: Flittchen für immer.

Die Bühne (Jeremias Vondrlik) funktioniert dabei wie die Splitscreen im Film. Rechts brütet Sven, links sind wir im Zimmer der geliebten, gehassten Anouk. Fein gespielt, straff und konzentriert in Szene gesetzt. Ein Psychodrama um die Macht der Mausklicks, bester Anschauungsunterricht.

Termine: 23. und 24.4.2015 jeweils 11 und 20 Uhr, Karten unter Tel. (02305) 97 80 20.