Gabriel sagt Stahlkochern Unterstützung zu

Demo in Duisburg

Bei einem bundesweiten Aktionstag sind Tausende Stahlkocher für ihre Arbeitsplätze auf die Straße gegangen. Allein in Duisburg protestierten rund 16.000 Teilnehmer. Rückhalt für die Stahlkocher in der "Herzkammer der deutschen Industrie" kommt von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD).

DUISBURG

von Von Rasmus Buchsteiner mit dpa

, 11.04.2016, 11:28 Uhr / Lesedauer: 1 min
 Bei einem bundesweiten Aktionstag wollen am Montag Tausende Stahlkocher für ihre Arbeitsplätze auf die Straße gehen.

Bei einem bundesweiten Aktionstag wollen am Montag Tausende Stahlkocher für ihre Arbeitsplätze auf die Straße gehen.

In der Stahlkrise haben am Montag deutschlandweit mehr als 40.000 Beschäftigte für eine Zukunft ihrer Arbeitsplätze demonstriert. „Geht der europäische Stahl den Bach runter, dann sind Millionen von Arbeitsplätzen in Europa in Gefahr“, sagte IG Metall-Chef Jörg Hofmann vor rund 16.000 Demonstranten am Montag bei einer Kundgebung vor den Toren des größten deutschen Stahlkonzerns Thyssenkrupp in Duisburg. Die Teilnehmer forderten von der EU einen besseren Schutz vor Billig-Importen aus China und warnten vor weiteren Belastungen durch neue Klima- und Energieauflagen.

Unterstützung von Gabriel

Vor der Kundgebung in Duisburg hatte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) den Stahlkochern Unterstützung im Kampf um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze zugesagt. „Das Ruhrgebiet ist die Herzkammer der deutschen Industrie. Dazu gehört unverzichtbar die Stahlindustrie“, sagte Gabriel unserer Berliner Redaktion.

„Ohne Stahl geht es weder in der Automobilwirtschaft noch im Maschinen- und Anlagenbau. Und ohne Stahl auch keine Energiewende - denn er ist ein zentraler Werkstoff für Windräder an Land und auch beim Bau von extrem belastbaren Windkraftanlagen auf See“, so Gabriel.

Krise in der Traditionsbranche

Zuvor hatten am frühen Morgen Stahlkocher die Produktion bei Thyssenkrupp weitgehend gestoppt. Bis zum Wiederanlaufen der Anlagen mit Beginn der Nachtschicht gegen 22 Uhr seien nur Notbelegschaften im Einsatz, sagte Betriebsrat Back.

Hintergrund der Aktion ist eine Krise der Traditionsbranche durch Dumpingpreise für Stahl-Einfuhren aus China und drohende höhere Kosten durch Klima- und Energieauflagen in Europa. Bundesweit beschäftigt die deutsche Stahlindustrie rund 85.000 Menschen.

Die deutsche Stahlindustrie hat einen heftigen Aderlass hinter sich. Ende 2015 arbeiteten in der Branche nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl rund 86.000 Menschen - 1980 waren es noch 288.000 gewesen. Gleichzeitig hat sich die Produktivität enorm erhöht. Denn die Rohstahlerzeugung ist seitdem nur leicht von 43,8 Millionen auf zuletzt 42,7 Millionen Tonnen gesunken. Der größte deutsche Hersteller ist Thyssenkrupp mit einer Jahresproduktion von zuletzt 12,4 Millionen Tonnen. Nummer zwei ist der Luxemburger Weltmarktführer ArcelorMittal mit einer Menge von 7,8 Millionen Tonnen in Deutschland. An dritter Position rangiert Salzgitter (6,8 Millionen Tonnen).

Mit Material der dpa