Gauck wird mit Großem Zapfenstreich verabschiedet

Drei Musikwünsche

"Über sieben Brücken musst du gehen" hat er sich gewünscht: Im Garten von Schloss Bellevue wird am Abend Bundespräsident Gauck verabschiedet. Mit den höchsten Zeremoniell der Bundeswehr, einem Volkslied, einem Kirchenlied - und einem DDR-Hit. Auch in der Vergangenheit gab es beim Zapfenstreich einen bunten Musikmix.

BERLIN

17.03.2017, 09:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Joachim Gauck (l) und Frank-Walter Steinmeier. Foto: Britta Pedersen

Joachim Gauck (l) und Frank-Walter Steinmeier. Foto: Britta Pedersen

Mit einem Großen Zapfenstreich wird Bundespräsident Joachim Gauck nach fünf Jahren aus dem Amt verabschiedet. Bei der militärischen Zeremonie im Park von Schloss Bellevue werden am Abend unter anderen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Bundesinnenminister Thomas de Maizière und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller erwartet. Kanzlerin Angela Merkel fehlt, weil sie in Washington US-Präsident Donald Trump besucht. Insgesamt sind etwa 600 Gäste geladen.

Der Großes Zapfenstreich ist kein Privileg für das Ende er Amtszeit der Präsidenten. Öffentliche Beachtung findet das höchste militärische Zeremoniell auch bei der Verabschiedung von Bundeskanzlern und Verteidigungsministern. Darüber hinaus gibt es zahlreiche militärinterne Zapfenstreiche etwa für Generäle, die aber in der Regel nicht medial begleitet werden. 

Gauck wählt aus

Zum Zapfenstreich hat Gauck, wie es Tradition ist, das Musikprogramm ausgewählt. Unter anderem wird zu seinen Ehren der DDR-Hit "Über sieben Brücken musst du gehen" der Band Karat gespielt. Außerdem hat sich der frühere DDR-Pastor das Volkslied "Freiheit, die ich meine" und das Kirchenlied "Eine feste Burg ist unser Gott" ausgesucht. Ist es Zufall, dass Peter Maffay sowohl den Song von Karat als auch das Volkslied "Freiheit, die ich meine" gespielt hat?

Schon in der Vergangenheit gab es beim Zapfenstreich einen bunten Musikmix. Innenminister Thomas de Maizières zum Beispiel wünschte sich zu seinem Abschied als Verteidigungsminister im Jahr 2013 den Welthit "Live is Life" von Opus. Sein Vorgänger Karl Theodor zu Guttenberg ließ es 2011 noch rockiger angehen: Er wünschte sich unter anderem "Smoke on the Water" von den Rocklegenden Deep Purple. 

Emotional in der Vergangenheit

Emotional wurde es auch schon: Ex-Bundeskanzler Schröder wurde bei seiner Abschiedszeremonie 2005 vom Klassiker "My Way" von Frank Zinatra zu Tränen gerührt. Im Jahr 2012 wählte Christian Wulff nach seinem Rücktritt als Bundespräsident eher die ruhige Musikschiene: Dabei waren unter anderem die "Ode an die Freude" von Beethoven oder der 30er-Jahre-Schlager "Over the Rainbow" vertreten.

Auch Ex-Bundespräsident Horst Köhler hatte nach seinem Rücktritt im Jahr 2010 seine Wünsche - darunter der Jazz-Klassiker "St. Louis Blues". Wenn man genau dem Text lauscht, dann kann man folgende Textzeile heraushören: "I'll pack my trunk, make ma git away". Heißt so viel wie "Ich pack meine Koffer und sehe zu, dass ich wegkomme". Ob das Absicht war?

Gauck scheidet Samstag

Gauck scheidet offiziell am Samstag aus dem Amt. Von Sonntag an hat Deutschland ein neues Staatsoberhaupt: Bei einer symbolischen Übergabe im Schloss Bellevue übernimmt Frank-Walter Steinmeier (61) das Amt. Der frühere Außenminister ist der 12. Präsident der Bundesrepublik Deutschland. Gauck (77) hatte auf eine zweite Amtszeit verzichtet.

Von Montag an führt Steinmeier die Amtsgeschäfte. Als Chef des Präsidialamts und seiner rund 200 Mitarbeiter bringt er seinen Vertrauten Stephan Steinlein mit, der schon im Auswärtigen Amt Staatssekretär war. Am Mittwoch wird Steinmeier vor Bundestag und Bundesrat vereidigt. In seiner ersten größeren Rede als Präsident wird er seine politischen Schwerpunkte für die nächsten fünf Jahre vorstellen.

Erster regulärer Wechsel seit 2004

Nach den vorzeitigen Rücktritten von Horst Köhler (2010) und Christian Wulff (2012) ist es der erste reguläre Wechsel im Schloss Bellevue seit 2004. Steinmeier war als SPD-Kandidat auch von der Union unterstützt worden und erhielt bei seiner Wahl am 12. Februar auch Stimmen von Grünen und FDP.

Der Große Zapfenstreich ist das höchste militärische Zeremoniell der Bundesrepublik. Seine Anfänge gehen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Seinerzeit gab ein deutscher Militärbeamter den Soldaten das Zeichen zur Nachtruhe: Er ging durch die Gasthäuser und versetzte dem Verschluss eines Fasses, dem Zapfen, einen Schlag (oder Streich). Es durften dann keine Getränke mehr ausgeschenkt werden. Wohl seit dem Feldherrn Albrecht von Wallenstein (1583-1634) wurde den Wirten mit Trompete, Flöte oder Trommel das Signal gegeben, die Fässer zu schließen. Der heute noch gebräuchliche Ablauf des Zapfenstreichs wurde erstmals am 12. Mai 1838 in Berlin aufgeführt.

Von dpa