Gefährlicher Richter Adam

Schauspielhaus Bochum

Kleists "Der zerbrochne Krug" ist ein beliebtes Lustspiel. Befreites Auflachen ist in der klugen Inszenierung in den Bochumer Kammerspielen jedoch kaum möglich. Intendant Anselm Weber sorgt mit einer geschickten Handlungs-Verschiebung dafür, dass die Zuschauer das Unrecht, das hier geschah, gleich präsent haben.

BOCHUM

, 06.12.2015, 13:45 Uhr / Lesedauer: 1 min
Richter Adam (Dietmar Bär) verwickelt Eve (Sarah Grunert) in ein Netz aus Lügeng.

Richter Adam (Dietmar Bär) verwickelt Eve (Sarah Grunert) in ein Netz aus Lügeng.

Das erste Wort hat bei Weber in den Kammerspielen nicht der eifrige Gerichtsschreiber Licht, dem Roland Riebeling mit seinem riesigen komödiantischen Talent erst später große Lacher beschert.

Es ist Eve, die Tochter der Marthe Rull, die den zerbrochenen Krug beklagen wird. Sarah Grunert zieht als Eve den zwölften Auftritt vor, in dem sie den Tathergang schildert.

Eindrucksvoller Monolog

In einem unter die Haut gehenden Monolog voller Wut und Ohnmächtigkeit und stets den Tränen nah macht sie die Stärke dieses Kleist-Stücks erfahrbar: Sie liegt im Erzähltheater, darin, mit Worten Handlungen greifbar zu machen.

In dem Fall sind es die Zudringlichkeiten des Richters, der seine Macht über das junge Mädchen skrupellos ausspielt und es in einem Lügennetz fängt: Ihr Verlobter werde nicht bloß zum Militärdienst im Inland eingezogen, sondern nach Ost-Indien verschifft, von wo kaum einer zurückkehre. Nur er, Adam, könne ihn mit einem Attest davor bewahren.

So betrachtet der Zuschauer das restliche Geschehen durch die Brille dieser Vorab-Information. Da wirkt dann nicht mehr in erster Linie schrullig, wie Richter Adam sich in Widersprüche verstrickt, wenn er erklären soll, warum er von Wunden übersät ist.

"Tatort"-Kommissar Bär

Da wird im Gegenteil deutlich, wie Kleist im Kleinen die Möglichkeiten mächtiger Männer aufzeigt, sich dem Zugriff von Recht und Gerechtigkeit zu entwinden.

Mit seinem aus dem Fernsehen bekannten Bühnenstar, dem "Tatort"-Kommissar Dietmar Bär, hat Intendant Anselm Weber den perfekten Schauspieler für die Rolle des Adam gefunden: Er lässt hinter den Späßen des Richters stets den bösen Willen aufblitzen.

Neben ihm brilliert Marco Massafra als Gerichtsrat Walter: Es ist eine reine Freude, zuzuhören, wie er Kleist’ Sprache seziert und ansprechend auf dem Tablett serviert.

Termine: 20./31.12.; 3./ 4./6./21.1.; Karten: Tel. (0234)33335555.

 

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