Gehobene Unterhaltung im "Café Society"

Neu im Kino

Nun, da seine europäische Phase vorbei ist, dreht Woody Allen wieder in Amerika und wirft in seinem neuen Film "Café Society" einen Blick zurück: Auf das glitzernde Hollywood und das New Yorker Nachtleben der 30er-Jahre.

07.11.2016 / Lesedauer: 3 min
Gehobene Unterhaltung im "Café Society"

Für Bobby (Jesse Eisenberg) und Vonnie (Kristen Stewart) hängt der Himmel voller Geigen.

Es war einmal in Amerika. In Los Angeles schlägt das Herz der Filmindustrie. Ihr Glanz wirkt wie ein Magnet und zieht auch den jungen Bobby Dorfman (Jesse Eisenberg) an, der sich an seinen Onkel Phil (Steve Carell) schmeißt. Phil ist der Agent der Stars, er diniert mit den großen Tieren, da müsste doch ein Job für den Neffen abfallen?

Bobby wird Phils Mädchen für alles, schnuppert Showbiz-Luft und verliebt sich in die Sekretärin des Onkels (Kristen Stewart).

Vonnie und Bobby werden ein Paar, der Himmel hängt voller Geigen (bei Allen eher Klarinetten von Benny Goodman). Dann die Ernüchterung. Vonnie war Phils heimliche Geliebte und kehrt zu ihm zurück.

Alles nur schöner Schein

Bobby sagt Hollywood ade. "Dort ist alles Schein und Oberfläche", lässt Woody Allen ihn sagen, für den der Rummel der Traumfabrik ohnehin ein schaler Witz ist.

Das Glitzern der Oberflächen unter kalifornischer Sonne setzt Kameramann Vittorio Storaro verführerisch in Szene, die mondäne Ausstattung ist ein Hingucker.

Steve Carell zeigt unter Allen eine der besten Leistungen seiner Karriere, glänzt als Alphamännchen und großer "Player" in Hollywood. Und Kristen Stewart wurde nie so sexy und hinreißend fotografiert.

Die Handlung springt nach New York, wo Bobby als Geschäftsführer im Club seines Gangsterbruders (Corey Stoll) arbeitet. Ein Laden für Schickeria und Halbwelt, glamourös wie der Cotton Club.

Der Bruder ist ein schlimmer Finger, der Leute in Beton beerdigt und am Ende den Preis bezahlt.

Erzählt werden die Gangster-Episoden im Stil einer Revue, wie der ganze Film revueartig angelegt ist. "Café Society" gleicht einer Familien-Saga, abgespult im Schnelldurchgang.

Salonlöwe und Flirtkanone

Allen fabuliert nach vorn, aber eben sprunghaft, fast hastig. Hollywood, New York, Nachtleben, Verbrechen, dazu Familienporträts und der bittersüße Schmerz einer gescheiterten Liebe.

Das Drehbuch arbeitet an vielen Baustellen gleichzeitig, mit keiner Figur wird man wirklich warm. Für den Salonlöwen und die Flirtkanone hat Jesse Eisenberg zudem nicht das Format, er bleibt zu bubihaft.

Exquisite Bilder, Bonmots, Swingmusik, ein großartiger Steve Carell: Gehobene Unterhaltung, mehr aber nicht.