"Geier" ließen Saalbau beben

Karnevalsauftakt

„Klettern im Imberg oder aus dem Fenster gucken in Herbede“ - der Steiger (Martin Kaysh) zeigte sich beim Geierabend im Saalbau entzückt: „Schon toll, was ihr hier in Witten so alles zu bieten habt.“ Ganz klar, dass beim Ausflug des Dortmunder Ensembles zum Karnevalsauftakt in der Nachbarstadt Seitenhiebe auf Witten nicht fehlen durften.

WITTEN

von Von Susanne Linka

, 13.11.2011, 11:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Schauspieler und Musiker hielten, was sie im Vorfeld versprochen hatten: Sie boten keinen Karneval im üblichen Sinn. Glücklicherweise. Was da über die Bühne ging, waren keine platten  Schenkelklopfer, sondern  intelligent gemachte, humorvolle Szenen aus dem Ruhrpott. Garniert mit gut gemachter Musik. Ob „Wild Thing“ von den Troggs  (neu getextet als  „Eisprung, du machst den Bauch rund“) oder Rio Reisers „König von Deutschland“ („König vom Ruhrpott“) – die Geier und ihre Begleitband sorgten auch musikalisch gut für Stimmung.

Köstlich der Abstecher nach England zum „Two Tomato Barbecue“, für dessen Zubereitung den gut aufgelegten Darstellern leider nur eine Tomate zur Verfügung stand. Mit der Szene nahmen sie gespielte Englisch-Lektionen genüsslich auf die Schippe.Im himmelblauen Bademantel und mit blonder Lockenperücke liefert Franziska Mense-Moritz einen Bericht von ihrem Wellness-Aufenthalt ab: „Ich sach noch zu se: Gehn`se lieber nicht zum Peeling…“ Vermutlich erkannte jeder aus dem Publikum in ihrer trefflich überzeichneten Darstellung der laut polternden Frau aus dem Pott Züge von Bekannten wieder. Am Ende steht ein echter Showdown: die Peeling-Geschädigte setzt zur Kettensäge-Attacke auf die Hotel-Empfangstheke an.

Nachdem der städtische Stimmungsprüfer Ernst Hubert Schmöll klargestellt hat, dass einst durch einen „Meteorologeneinschlag“ mit Witten-Annen „Ort der Betrübnis und Finsternis“ entstand, ist die Zeit für den Auftritt der Miss Annen gekommen. Sandra Schmitz sagt mit  piepsiger Stimme Beiträge eines schaurig schlechten Musik-Quartetts an, das Versionen von „Alle meine Entchen“ anstimmt. Wie treffend: Ein Zusatz fehlt bei den Ansagen der rothaarigen Miss mit den vorstehenden Zähnen nie: „aus der Abteilung Tee und Licht von unsern Möbelhaus.“

Als schließlich Franziska Mense-Moritz und Hans Martin Eickmann als „Die Zwei vonne Südtribüne“ zahlreiche Bierchen geköpft und ihre Fußball-Hymne über die Borussia gesungen haben („Boah ey, boah ey, Borussia, geht nie vorbei, dat schwatte untern Nagel und dat Gelbe von' Ei“), konnten die begeisterten Zuschauer dem Ensemble noch zwei Zugaben entlocken. Dann hatte es sich in Witten erst einmal ausgegeiert.