Geishas und Kurtisanen im Haus Kemnade

Ausstellung japanischer Kunst

Die Wahrheit über den japanischen Farbholzschnitt wollen die Macher der Ausstellung "Geishas - Dirnen - Kurtisanen" in der Wasserburg Haus Kemnade vermitteln. Rund 120 Blätter aus der Sammlung eines Museumsleiters aus dem Landkreis Osnabrück sind zu sehen.

BOCHUM

, 15.05.2015, 05:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Geishas und Kurtisanen im Haus Kemnade

Gerhard Friedrich Philipp in der Geisha-Ausstellung

Welch gewaltigen Einfluss die Kunst des japanischen Farbholzschnitts auf die europäische Moderne hatte, zeigte unlängst die Ausstellung „Inspiration Japan“ im Museum Folkwang. Wie ein subversiver Einwurf oder eine überraschende Vervollständigung des Bildes kommt jetzt eine Schau im Haus Kemnade daher: „Geishas – Dirnen – Kurtisanen“.

„Die Geschichte des japanischen Farbholzschnitts in Europa ist eine Geschichte von Missverständnissen“, sagt Gerhard Friedrich Philipp. Der Leiter des Museums des Landkreises Osnabrück ist leidenschaftlicher Sammler von Werken dieser speziellen japanischen Kunstform und wurde über einen Kontakt zum Kunstmuseums-Vize Sepp Hiekisch-Picard zum Kurator der Ausstellung auf der Wasserburg.

Große Kunst - oder trivial?

Das, was in Europa an der Wende zum 20. Jahrhundert als große Kunst galt, hielten die Japaner für trivial: „Die Farbholzschnitte waren ein Massenprodukt“, erklärt Philipp. „Japan zeigte sie nicht auf der Weltausstellung. Nach Europa kamen sie teilweise als Einwickelpapiere.“ Auch über die Motive brauche man sich keine Illusionen zu machen: „Gedruckt wurde, was sich verkauft – und das waren wie heute Sex und Crime, berühmte Schauspieler oder Helden-Darstellungen.“

Die Ausstellung im Haus Kemnade hat sich so zur Aufgabe gemacht, mit falschen Vorstellungen über die Kunstform aufzuräumen. Die meisten der rund 120 Blätter zeigen Frauendarstellungen. „Die abgebildeten Frauen waren meistens Geishas oder Kurtisanen“, sagt der Kurator – Unterhaltungskünstlerinnen oder Edel-Prostituierte also, die in der Gesellschaft des sich öffnenden Japans hoch angesehen waren.

Berühmte Meister

Daneben gibt es politische Karikaturen zu sehen, Holzschnitte berühmter Meister wie Tsukioka Yoshitoshi oder Katsushika Hokusai und asiatische Instrumente der Sammlung Grumbt.

Viele Texttafeln liefern allgemeine Informationen, aber Philipp hat sich auch die Mühe gemacht, die Geschichte hinter einzelnen Motiven zu recherchieren: „Sexuelle Anspielungen oder politische Kommentare sind heute oft kaum noch zu entschlüsseln, weil sie es damals durch die Zensur schaffen mussten.“

Die Ausstellung eröffnet Samstag, 16. Mai, 17 Uhr, und läuft bis 27. September. Mehr Infos gibt es hier auf der Internetseite von .

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