Gemeinsam gegen die Einsamkeit

20 Jahre Frauenkreis Linden

Der evangelische Frauenkreis Linden kommt seit 20 Jahren regelmäßig zusammen, um den Senioren im Augusta Seniorenheim in Linden eine Freude zu bereiten. Die vier engagierten Frauen des Kreises wollen den Menschen eine Freude machen, indem sie mit ihnen lesen, singen und reden.

LINDEN

, 07.04.2015, 17:56 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gemeinsam gegen die Einsamkeit

Ruth Schuh vom Frauenkreis Linden und Seniorenheimbewohner Klaus Karowski.

„Wir können ja fast schon selber hierbleiben“, lacht Eleonore Tretschoks. Die 77-jährige ist eine von vier Frauen des evangelischen Frauenkreises Linden, die seit 20 Jahren jede Woche das Augusta Seniorenheim in Linden besuchen, um gemeinsam mit einigen Bewohnern zu lesen, zu singen und zu quatschen.

Dass Tretschoks und die anderen drei dabei selbst in die Jahre gekommen sind, das macht ihnen nichts aus. „Mir ist egal, ob ich 57 Jahre oder 77 Jahre alt bin – solange ich Menschen mit dem, was ich tue, eine Freude machen kann“, erzählt Ruth Schuh.

Erinnerungen kommen hoch

Für sie ist es jede Woche aufs Neue etwas Besonderes, den Bewohnern des Pflegeheims immer wieder eine Freude zu bereiten. „Wir klönen über früher, manchmal über das Kochen, manchmal über die Kinder – da kommen bei allen viele Erinnerungen hoch“, so Schuh.

In zwanzig Jahren haben die vier Frauen viele Bewohner kommen und gehen sehen. Nicht alle haben sie kennengelernt, denn die Gesundheitszustände der einzelnen Bewohner sind sehr unterschiedlich: „Einige kommen ja gar nicht aus dem Bett. Manche sitzen bei uns, aber sagen nichts. Aber es gibt auch sehr viele, die mit dem ganzen Herzen dabei sind“, berichtet Ilse Schrader, die mit 74 Jahren die Jüngste unter den Vieren ist. Jeden Montag um 15 Uhr holen sie die Bewohner von Station drei und vier ab, die Lust auf Gemeinschaftlichkeit haben.

Zusammen lesen, singen und erzählen

Dann sitzen sie alle zusammen und lesen, singen und erzählen. „Manchmal können wir sogar noch was von den Bewohnern lernen“, berichtet Grete Donaj. „Die können noch jedes Gedicht, jedes Volkslied und jedes Märchen auswendig“, erzählt sie. „Letztens hat jemand den Erlkönig aufgesagt. Jemand, der eigentlich seit vielen Jahren an starker Demenz leidet“, so Donaj. Es sei aber auch ein Glück, dass viele der Bewohner noch so textsicher sind. Denn manche können nicht mehr genug sehen, um die kleingedruckten Texte in den Gesangbüchern zu lesen.

Es sind die Klassiker, die immer am liebsten gesungen werden: „Das Wandern ist des Müllers Lust“, zum Beispiel. Viel schwieriger ist es, nach 20 Jahren immer wieder neue Kurzgeschichten zu finden, die vorgelesen werden können.

Tretschoks greift da schon mal zu ihren alten Schulaufsätzen: „Die sind kurz, einfach geschrieben und kommen bei den Bewohnern immer gut an.“  

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