„Generation Corona“: Kinderschutzbund fordert mehr Unterstützung

Corona und Kinder

Einsamkeit und Zukunftsängste treiben Kinder und Jugendliche während der Pandemie um. Der Deutsche Kinderschutzbund hat jetzt vor einer „Generation Corona“ gewarnt.

16.03.2021, 15:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Spielplatz einer Kita ist mit Absperrband in Bereiche aufgeteilt, um die Kinder aus unterschiedlichen Gruppen zu trennen.

Der Spielplatz einer Kita ist mit Absperrband in Bereiche aufgeteilt, um die Kinder aus unterschiedlichen Gruppen zu trennen. © picture alliance/dpa

Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgert, warnt vor einer verlorenen „Generation Corona“. Hilgers forderte am Freitag deshalb von Bund und Ländern vorrangige Investitionen in Kinder und Jugendliche nach Ende der Corona-Krise. Auf keinen Fall dürfe bei dem sicher aufkommenden Spardruck bei der Kinder- und Jugendarbeit gekürzt werden, sagte Hilgert auf einer Online-Pressekonferenz: „Hier erwarte ich ein klares Bekenntnis von Bund, Ländern und Gemeinden.“

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie verlangten Kinder und Jugendlichen besonders viel ab, auch wenn die Akzeptanz dafür bei ihnen hoch sei, sagte er. Vor einem Jahr, am 16. März 2020, hatten Bund und Ländern erstmals Corona-Eindämmungsmaßnahmen beschlossen.

Sozial schwache Familien werden übersehen

Besonders Kinder und Jugendliche aus armen oder belasteten Familien drohten, durch die Pandemie in einem Dunkelfeld zu verschwinden, warnte der Kinderschutz-Präsident. Kinder aus Flüchtlingsfamilien fielen bei geschlossenen Kitas im Spracherwerb zurück und brauchten wie auch Kinder aus Hartz-IV-Familien die Förderungen in Kitas und Schulen besonders.

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Für Kinder und Jugendliche in Förderschulen sei wiederum Fernunterricht nicht zu leisten, sie bräuchten die direkten Anregungen vor Ort. Kinder in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe könnten wegen Quarantäne-Maßnahmen nur sehr eingeschränkten Kontakt zu ihren leiblichen Eltern halten. „All diese Kinder werden im Moment nicht gesehen“, sagte Hilgert.

Verband spricht sich für Corona-Ferienprogramm aus

Der Kinderschutzbund fordert deshalb, nach der Corona-Krise Freizeit- und Unterstützungsangebote für Kinder und Jugendliche auszubauen. Auch müssten Sommerschulen und Samstagsunterricht angeboten werden, um Lernstoff nachzuholen.

Der Verband fordert außerdem einen Ausbildungspakt mit den Arbeitgeberverbänden, um jedem Jugendlichen einen Ausbildungsplatz zu garantieren sowie ein Corona-Ferienprogramm der Bundesregierung, um beispielsweise Schwimmkurse oder Sprachlernkurse nachzuholen. Besonders die sowieso schon benachteiligten Kinder und Jugendlichen brauchten jetzt „ eine faire Chance“, sagte Hilgert.

Pandemie wird für Kinder und Jugendliche zur psychischen Belastung

Viele Kinder und Jugendliche würden von Zukunftsängsten und Einsamkeit geplagt. In einer Umfrage im Auftrag des Kinderschutzbundes gaben 45 Prozent an, Zukunftsangst zu haben, 26 Prozent empfinden das zum Teil. Mehr als zwei Drittel (65 Prozent) fühlten sich von der Politik nicht wahrgenommen. Kinder- und Jugendpsychiater warnten zudem vor steigenden psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen. So beklagen ein Drittel, sie fühlten sich einsam, weil sie ihre Freunde nicht sehen können.

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Bei den Online-Beratungen des Kinderschutzbundes habe die Zahl der Emails von Kindern um ein Drittel, von den Eltern sogar um zwei Drittel zugenommen, sagte Hilgert. Die Telefonhotline des Verbandes, die „Nummer gegen Kummer“, registrierte 2020 im Vergleich zum Vorjahr 700 Anrufe mehr wegen eines Suzidgedankens.

Er sei nicht bereit, eine „Generation Corona“ in Kauf zu nehmen, betonte der Kinderschutzbund-Präsident. Mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung ließe sich dies verhindern. Der 1953 gegründete Kinderschutzbund ist nach eigenen Angaben mit 50.000 Mitgliedern in über 400 Ortsverbänden die größte Kinderschutzorganisation Deutschlands.

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