George Clooney verzaubert Berlin

Berlinale mit vielen Stars

Die Berlinale geht in die Vollen! Das erste Festival-Wochenende bietet Stars, Sex und Schiller. Im Film von Dominik Graf kommt sogar alles zusammen. Derweil muss George Clooney nur lächeln, um den Potsdamer Platz in Erregung zu versetzen.

BERLIN

von Von Patrick Wildermann

, 09.02.2014, 16:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
George Clooney verzaubert Berlin

Matt Damon (l.) und George Clooney in "The Monuments Men" (Filmstart: 20. Februar).

"Clooney da!", jubelt der Boulevard über die Titelseite. Rund um den Berlinale-Palast, wo der Schauspieler, Regisseur und Berufs-Beau seinen Weltkriegs-Film "The Monuments Men" im Wettbewerb präsentiert, herrscht schon am Morgen höchste Alarmbereitschaft. Bei Fans und Polizei gleichermaßen.Kreischende Fans Eigentlich ist man in Berlin ja stolz darauf, auf Prominenz so gleichgültig zu reagieren wie auf gestörten S-Bahn-Betrieb. Aber wenn ein Mann von Clooneys Format zum Festival anreist, gelten andere Gesetze. "George! George!", kreischt es aus Hunderten von Mädchen- und Männerkehlen am Roten Teppich.

Hollywoodstars haben's auch nicht leicht. Das Promoten der eigenen Kunst jedenfalls kann zur Bürde werden. Der bemerkenswert coole Clooney soll während der Pressekonferenz unter anderem zu den erotischen Fantasien einer radebrechenden brasilianischen Journalistin Stellung nehmen. Ein Wort an seine Fans in China richten. Und vor Anke Engelke zugeben (ja, die hat sich unter die Journalisten gemischt!), dass er seine Filmmusik aus "Peter und der Wolf" geklaut hat. Woraufhin das versammelte Ensemble aus Matt Damon, Bill Murray und John Goodman fröhlich das Leitmotiv der "Monuments Men" zu pfeifen anfängt.

"The Monuments Men" überzeugt nicht Bei so viel guter Laune gerät fast in Vergessenheit, dass der mitgebrachte Film nicht zünden wollte. Der erzählt die wahre Geschichte einer ungewöhnlichen Spezialeinheit aus Museumsleuten und Kuratoren, die in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs Kunstschätze vor Bomben und Nazi-Raubzügen zu retten versuchen. "Wer sorgt dafür, dass der David noch steht und die Mona Lisa noch lächelt?", fragt Clooneys Figur im Film pathetisch. Mehr als ein unentschiedener Mix aus Haudegen-Klamotte und Drama kommt bei der Meister-Rettung aber leider nicht raus.Grafs Film "Die geliebten Schwestern"

Und an der Heimatfront? Überzeugt Regisseur Dominik Graf mit einer dreistündigen Liebesballade über Friedrich Schiller (gut: Florian Stetter), der anno 1788 eine ménage à trois mit den Schwestern Charlotte und Caroline von Lengefeld unterhält. Graf zeigt den Dichter als Schwerenöter - ohne den Weimarer Klatsch zu bedienen. Der Film "Die geliebten Schwestern" ist zu lang geraten (im Sommer kommt eine kürzere Fassung ins Kino), hat aber Eleganz und Unterhaltungswert.Lars von Trier schweigt Sehr viel expliziter geht's bei Lars von Trier zu. Der ist mit seinem umraunten Beitrag "Nymphomaniac Vol.1" nach Berlin gereist - erster Teil der Lebensbeichte einer Sexsüchtigen (Charlotte Gainsbourg). Das Werk erfüllt jedoch in keiner Hinsicht die Erwartungen. Vor allem nicht an den Skandal. 

Von Trier - der sich in Cannes mit wirren Nazi-Äußerungen um Kopf und Kragen gebracht hatte - tritt in Berlin nur zum Fototermin, aber nicht nur Pressekonferenz an. Wie heißt es? Der Gentleman genießt und schweigt.

 

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