Gerichtsprozesse: Von James Bond und Hannibal

Jahresrückblick Landgericht Bochum

Tränen, Wut und Schmunzel-Szenen: Das Bochumer Landgericht war auch 2016 wieder ziemlich turbulent. Welche Geschichten bleiben in Erinnerung? Unsere Gerichtsreporter haben die kuriosesten und die schockierendsten Fälle nochmal zusammengefasst.

BOCHUM

28.12.2016, 12:34 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ex-Agent Werner Mauss (l.) steht zum Prozessauftakt im Verhandlungssaal des Bochumer Landgerichts.

Ex-Agent Werner Mauss (l.) steht zum Prozessauftakt im Verhandlungssaal des Bochumer Landgerichts.

Als erstes natürlich der deutsche „James Bond“. Ex-Geheimagent Werner Mauss soll nicht nur an 2000 Festnahmen mitgewirkt und über 40 Menschen das Leben gerettet, sondern auch 15 Millionen Euro Steuern hinterzogen haben. Was er bestreitet.

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Einfach grausam war die Tat eines Dachdeckers, der seine Stieftochter (21) erwürgt hat – nur, weil er sich abreagieren wollte. Das Urteil: lebenslange Haft.

Menschliche Abgründe haben sich auch im Fall einer Krankenschwester aufgetan, die ihre bettlägerige Mutter erst jahrelang aufopferungsvoll gepflegt und dann eines Morgens geschlagen und erstickt hat. Sieben Jahre Haft.

Den größten Schreck gab es im Oktober. Bei der Durchsicht von Leichenfotos erlitt erst der Staatsanwalt einen Schwächeanfall, dann eine Richterin. Der Prozess musste stundenlang unterbrochen, der Staatsanwalt sogar ausgetauscht werden.

Für den kuriosesten Zeugenauftritt hat 2016 Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn gesorgt. Als er ins Bochumer Landgericht kam, hat er mit seinem Handy erst einmal die wartenden Journalisten fotografiert. Sein Kommentar: „Jetzt schieße ich zurück.“

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Für den umstrittensten Freispruch sorgte der Fall eines Familienvaters. Er sollte seine Frau umgebracht und die Leiche im Kanal versenkt haben. Laut Gericht fehlten jedoch die Beweise. Der Staatsanwalt sah das anders. Er hatte „lebenslang“ beantragt.

Ganz schön beängstigend war das Verhalten eines Bochumers, der sich jahrelang als Krankenpfleger und Notarzt gearbeitet hat, obwohl er überhaupt keine medizinische Ausbildung hatte. Fünf Jahre und neun Monate Haft. 

Neuland haben die Bochumer Richter 2016 mit dem ersten Prozess um den VW-Abgasskandal betreten. Ergebnis: VW-Autohäuser müssen Fahrzeuge mit eingebauter „Schummelsoftware“ nicht zurücknehmen.

Für das größte Aufsehen hat die Flucht von Einbrecherkönig Levan K. gesorgt. Dem 24-jährigen war es gelungen, nach Prozessende durch ein geöffnetes Garagentor in die Freiheit zu rennen – vor den Augen der verdutzten Wachtmeister.

Als „Exorzist“ von Bochum ist ein 47-jähriger Mann in die Geschichte eingegangen. Er soll einer schwangeren Frau eingeredet haben, dass sie den Teufel im Bauch trage. Beweisen ließ sich das aber nicht.

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Als eindeutig zu klapprig hatte sich der „Opa-Räuber“ von Bochum erwiesen. Er wollte auf seine alten Tage noch einmal eine Bank überfallen, auf der Flucht mit dem Fahrrad war ihm aber die Puste ausgegangen. Nach dreißig Jahren Haft kommen nun sieben Jahre und acht Monate oben drauf.

Als „Grusel-Mord“ bleibt die Tat einer osteuropäischen Verbrecherbande in Erinnerung. Sie hatten einen Mann aus Herne gekidnappt, mit einem Hammer in einem Lieferwagen erschlagen und die Leiche im Wald verscharrt. Die Urteile: lebenslange Haft für die Haupttäter.

Erinnerungen an „Hannibal Lecter“ hat der Prozess gegen einen 24-jährigen Gewalttäter geweckt. An Händen und Füßen gefesselt, eine Spuckmaske über dem Gesicht: So musste der Mann in den Gerichtssaal getragen werden. Acht Wachtmeister mit Helmen und Schutzkleidung waren nötig, um ihn festzuhalten. Jetzt ist er endgültig in der geschlossenen Psychiatrie.

Anfangs galt er als „Kommissar Faulpelz“, am Ende stellte sich heraus, dass er einfach überfordert war. Ein Hooligan-Ermittler der Polizei, der reihenweise Ermittlungsakten verschwinden ließ, wurde zu elf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

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Als wohl respektloseste Tat des Jahres bleibt der Ausraster eines 14-jährigen Schülers in Erinnerung. Er hatte auf dem Schulhof einer Bochumer Schule einen Lehrer geohrfeigt. Die Strafe: ein Jahr Jugendhaft auf Bewährung.