German Grobe ist der Düsseldorfer Liebermann

Kunsthalle Düsseldorf

Max Liebermanns großformatiges Gemälde "Kartoffelernte" hängt in dieser Ausstellung neben German Grobes Kleinformat "Frauen bei der Kartoffelernte". Was für ein Kontrast. Grobes bescheidenes, duftiges Bild wirkt mit seinen Auflichtungen inmitten diffuser dunkler Farben, als hätte dieser Künstler Liebermanns Abkehr vom Naturalismus schon vorweggenommen.

DÜSSELDORF

, 29.12.2016, 13:43 Uhr / Lesedauer: 2 min
German Grobe ist der Düsseldorfer Liebermann

Fischerfrauen in Erwartung eines großen Fanges: German Grobes „Wartende Holländerinnen am Strand“ bereichert als Teil einer Schenkung die Sammlung des Museums Kunstpalast.

Als Düsseldorfer Liebermann hat der frühere Leiter der Gemäldegalerie des Museums Kunstpalast, Walter Cohen, den aus Hanau stammenden Landschaftsmaler German Grobe (1888-1937) gerühmt. Nicht nur, weil sich beide 1890 in der internationalen Künstlerkolonie in Katwijk aan Zee begegneten. In der Sommerfrische widmeten sie sich mit ihrer Staffelei Seit an Seit denselben holländischen Motiven am Strand und im bäuerlichen Hinterland.

Mit seinem gewagten Vergleich unterstrich Cohen auch die Bedeutung German Grobes. In seinem Rang als führender Landschaftsmaler der berühmten Düsseldorfer Malerschule wird der nahezu unbekannte Künstler bis heute völlig unterschätzt. Er zählte zur letzten der fünf Generationen, die diese Malerschule von 1819 bis 1918 hervorbrachte.

Schenkung des Enkels

Anlässlich der Schenkung einer repräsentativen Auswahl seiner Katwijk-Motive durch seinen Enkel Eberhard Bieber lädt das Museum Kunstpalast mit einer kleinen, feinen Ausstellung zur Wiederentdeckung dieses Verkannten. Mit seiner delikaten Farbpalette inmitten vieler Grautöne und silbriger Lichttöne hob sich German Grobe schon früh von der dekorativen Malerei seines Lehrers Eugène Dücker an der Kunstakademie Düsseldorf ab.

Gerade mal ein Bild, den pittoresken "Markt am Rhein in Düsseldorf", besaß der Kunstpalast bisher von ihm, obwohl es die weltweit größte Sammlung der Düsseldorfer Malerschule sein eigen nennt.

Eindrücke aus Katwijk aan Zee

Nun kommen herrliche Gemälde wie die fast schon impressionistische "Voorstraat in Katwijk" mit ihrem lichten Farbenspiel aus ungebrochenen Rot und Blautönen, ein prächtiges Seestück der aufgepeitschten grauen Nordsee fast vom Rang eins Courbet oder beeindruckend realistische Kleinformate hinzu.

Dazu gehören die Fischerfrauen der "Wartenden Holländerinnen am Strand" oder die "Netzflickerinnen in den Dünen" samt eigenständiger Zeichnungen und leuchtender Aquarelle.

Im Rhythmus der Natur

German Grobe reiste von 1888 bis 1937, bis ihm die Nazis die nötigen Devisen verweigerten, jeden Sommer nach Katwijk, wo er auf Liebermann und die Maler der Haager Schule traf. Dort widmete sich der passionierte protestantische Laienprediger dem schlichten Leben der einheimischen Fischer und Bauern im Rhythmus der Natur.

Für Max Liebermann zählte das zu den schwersten Themen der Malerei. Was German Grobe daraus machte, ist Grund genug, ihn endlich wiederzuentdecken.

"German Grobe und die Düsseldorfer Malerschule in Katwijk", bis 5.2., Ehrenhof 4-5, Di-So 11-18 Uhr, Do bis 21 Uhr (Neujahr 13-18 Uhr) . Der kleine Katalog ist empfehlenswert.