Gespenst der Meere erobert bei Kinderoper alle im Sturm

Bayreuther Festspiele

„Hussahe! Hallohe! Hussahe!“ – der „fliegende Holländer“ hat auf der Probebühne des Bayreuther Festspielhauses angelegt. Vor der offiziellen Eröffnung der Festspiele haben die Kinder am Montagvormittag die erste Vorstellung gesehen.

BAYREUTH

, 25.07.2016, 14:18 Uhr / Lesedauer: 1 min
Gespenst der Meere erobert bei Kinderoper alle im Sturm

Zwei ehemalige Dortmunder: Christiane Kohl (Senta) und Charles Kim (Erik)

Wie in den Vorjahren hat Festspielchefin Katharina Wagner eine auf eine Stunde gekürzte Fassung einer Oper ihres Urgroßvaters für den Opernnachwuchs inszeniert. Die Dortmunder Oper ist gut vertreten in dieser Neuproduktion: Senta singt Christiane Kohl, die 2011 in Dortmund ihr Debüt in dieser Rolle gegeben hat, ihr Freund Erik ist Charles Kim, der in der Ära Mielitz alle großen Tenorrollen in Dortmund gesungen hat.

Die Ballade des Holländers

Der Holländer, das Gespenst der Meere, taucht aus einem kleinen Boot am linken Bühnenrand auf. Er erobert Sentas Herz im Sturm, den das Orchester unter Leitung von Boris Schäfer am rechten Bühnenrand effektvoll und gewaltig laut entfacht.

Senta lümmelt sich in ihrem Mädchenzimmer in der Bühnenmitte vorm Fernsehen oder liest ein Buch über die Ballade des Holländers, der verflucht ist, über die Meere zu schippern und alle sieben Jahre auftauchen darf. Nur eine Braut kann ihn von dem Fluch erlösen. Senta himmelt den Holländer an (Regie: Julia Huebner), macht ihn mit einem Pappaufsteller zum Engel mit liebesrot leuchtenden Flügeln. – Eine Backfisch-Liebe mit Happy End, anders als in Wagners Original. 

Schlitzohriger Seebär mit großem Stimmvolumen

Wie in einem Singspiel à la Mozart wechseln sich gesprochene Dialoge und Arien in der Kinderfassung ab; die Chöre übernehmen Daland (ein schlitzohriger Seebär mit großem Stimmvolumen: Jukka Rasilainen) und die Amme (lässt Fahrradreifen statt Spinnrädern schnurren: Eva Maria Summerer).

Christiane Kohl singt eine jugendliche Senta mit großem Wagner-Sopran. Und die Stimme von Charles Kim hat sich erstaunlich gut entwickelt zu einem großen, etwas vibratoreichen, aber runden Wagnertenor. Großartig war Kay Stiefermann, der im vergangenen Jahr schon ein starker Klingsor war, als geheimnisvoller Holländer.