Gesundheits-Risiko: PCB-Belastung zwingt zum Handeln

Ruhr-Universität Bochum

Der große Hörsaal ist fast voll belegt. Die Mitarbeiter und Studenten hören am Freitagnachmittag ganz genau hin, denn schließlich geht es um ihre Gesundheit: In den Gebäuden der Naturwissenschaftler an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) wurde eine erhöhte Belastung mit PCB festgestellt.

BOCHUM

von Von Ines Eckermann

, 21.04.2012, 06:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Ruhr-Uni in Bochum.

Die Ruhr-Uni in Bochum.

Das niedrig chlorierte PCB dagegen schwirre durch die Raumluft – und das auch in den N-Gebäuden der RUB. „Nach drei bis fünf Jahren ist nur noch die Hälfte des PCB im Körper nachweisbar“, erklärt Kraus. Das gegessene PCB bliebe einem länger erhalten. Dennoch ist der durch die Lunge aufgenommene Stoff eine ernst zu nehmende Gefahr für die Gesundheit: Das Nervensystem kann sich verändern, das Gedächtnis und die Motorik schlechter werden, der Hormonhaushalt durcheinander kommen, die Haut narbig durch Chlorakne, auch die Leber und das Immunsystem können durch PCB geschwächt werden.

Am meisten beunruhigt die „Insassen“ der geprüften Gebäude jedoch das mögliche Krebsrisiko. Der Grenzwert von 300 Nanogramm pro Kubikmeter Luft wurde in 84 Prozent der getesteten Räume deutlich überschritten. „Die Quellen müssen mittelfristig entfernt werden“, erklärt Kraus. Bis alle N-Gebäude frei von PCB sind, gehen aber noch Jahre ins Land. Erst 2022 kann der letzte Raum risikofrei benutzt werden. Bis dahin sollen die Angestellten vor allem eines tun: Staub wischen und lüften. Dazu hat die Hochschulleitung eigens Plakate mit einer Erinnerung an das regelmäßige Stoßlüften drucken lassen – und erntet damit das Gelächter der beunruhigten Angestellten.

„Das Lüften und Staubputzen bringt nichts. Außerdem ist die Reinigung der RUB ohnehin miserabel“, sagt eine Mitarbeiterin, die ihr Büro in einem der betroffenen Gebäude hat. „Das macht einem schon Angst.“ Schließlich stecke der gefährliche Stoff an vielen Stellen: im Fensterkitt, in den Fugenmassen der Wände, in Anstrichstoffen, in den Beschichtungen von Türen und Zargen, in Trennwänden und Schreibtischen, wie Thomas Thies vom TÜV Nord erklärt. Doch auch in Akten und alten Zeitungen kann sich der verdächtige Stoff absetzen und von dort in die Luft gelangen. Ein Arbeitskreis sucht nun nach kurzfristigen Maßnahmen. Über die Belastung in den übrigen, fast zeitgleich errichteten Gebäuden der RUB, wurde nicht gesprochen.