"Get Out" kommt Rassismus auf die Schliche

Neu im Kino

"Hast Du Deinen Eltern gesagt, dass ich schwarz bin?", will Chris von Rose wissen. "Nein, wieso auch?" Chris (Daniel Kaluuya) und Rose (Allison Williams) fahren aufs Land, um Roses Eltern zu besuchen. Und Chris hat Bammel, als schwarzer Schwiegersohn in spe der weißen Familie vorgestellt zu werden.

05.05.2017, 15:51 Uhr / Lesedauer: 1 min

Er fürchtet ein "Hau ab!" - "Get Out", wie der kleine, feine Horrorfilm des Amerikaners Jordan Peele heißt, der in den USA zur Spitze der Kinocharts schoss und viel Lob erntet.

Mit Recht, gelingt Peele doch ein Horrorstück von sozialer und politischer Brisanz: Ein Film, der Amerika den Puls fühlt und einem Rassismus auf die Schliche kommt, der die Maske aufgeklärter Toleranz trägt.

Rassismus ist amerikanische Realität

Dem Horrorgenre wird gern kollektive Tiefenpsychologie angedichtet, oft mit abenteuerlichen geistigen Purzelbäumen. Bei "Get Out" liegt das Thema auf der Hand: Rassismus ist amerikanische Realität.

Er findet sich nicht bloß bei rechten Radikalen und schießwütigen Polizisten, sondern subtiler auch bei Bildungsbürgern, die kaum zugeben werden, dass Stereotypen ihr Bild von Schwarzen prägen.

Die Mutter ist herzlich, das Personal wirkt gestört

"Ich hätte Obama ein drittes Mal gewählt!" Roses Vater (Bradley Whitford) gibt sich liberal und jovial, auch die Mutter (Catherine Keener) empfängt Chris ganz herzlich. Trotzdem wächst sein Unbehagen. Das schwarze Personal wirkt seltsam gestört. Partygäste mustern ihn wie ein exotisches Sammelstück. "Hau ab!" warnt ihn ein farbiger Besucher.

 Alarmglocken klingeln, Chris sitzt in der Falle. "Rosemaries Baby" lässt grüßen, ein Mad Professor schreitet zur Operation. Sehr spannend, politisch herrlich unkorrekt, eine Horror-Parabel mit Niveau und Satire-Biss.