Getöteter war wegen Kindesmissbrauchs verurteilt

SEK-Einsatz in Neuasseln

Nach dem dramatischen SEK-Einsatz gibt es jetzt neue Erkenntnisse: Der 53-jährige Mann, der bei einem Schusswechsel in Neuasseln getötet wurde, war nicht nur als Gewalttäter, Zuhälter und Betrüger bei Polizei und Justiz bekannt. Der Mann war auch wegen Kindesmissbrauchs verurteilt. Den SEK-Einsatz löste er selbst aus.

NEUASSELN

, 19.08.2016, 13:31 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein SEK-Beamter verlässt das Wohnhaus Am Funkturm in Neuasseln.

Ein SEK-Beamter verlässt das Wohnhaus Am Funkturm in Neuasseln.

Wie Oberstaatsanwalt Günter Neifer aus Kleve auf Anfrage bestätigte, war der 53-Jährige vor einigen Jahren "wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in zwei Fällen verurteilt" worden. Presseberichten zufolge soll er deswegen dann auch aus einer Rocker-Clique rausgeschmissen worden sein. "Es gibt Hinweise darauf, dass der Getötete Verbindungen zum Rocker-Milieu hatte. Alles Weitere kann ich nicht bestätigen", erklärte Neifer dazu. Nach seinen Angaben lebte der 53-Jährige im Raum Geldern am Niederrhein. "Er war in Dortmund nicht gemeldet", so Neifer.

Zeugen beeinflusst

Dass er sich am Donnerstagmorgen in einer Wohnung des achtstöckigen Mehrfamilienhauses der Funkturm-Siedlung in Neuasseln aufhielt, war das Ergebnis einer Zielfahndung. "Dafür sind alle Erkenntnisquellen über den Mann genutzt worden. Daher wusste man auch, dass er bewaffnet war", sagte Neifer. In Kleve war gegen den 53-Jährigen wegen Zuhälterei, gewerbsmäßigem Betrugs, veruntreuende Unterschlagung und Urkundenfälschung ermittelt worden. Am Dienstag (16.8.) kam er nicht zu einer Berufungsverhandlung. Im Vorfeld dazu hatte er eine Zeugin zu beeinflussen versucht. "Sie sollte für ihn lügen", so Neifer.

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Tödliche Schüsse bei Polizeieinsatz in Funkturm-Siedlung

Als ein Spezialeinsatzkommando der Polizei in eine Hochhaus-Wohnung in der Funkturm-Siedlung eingedrungen ist, fielen mehrere Schüsse. Der Mieter der Wohnung ist tot.
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SEK-Beamte haben das Hochhaus verlassen.© Foto: Peter Bandermann
In diesem Haus fielen die tödlichen Schüsse.© Foto: Peter Bandermann
Die tödlichen Schüsse fielen in der zweiten Etge des Mehrfamilienhauses Am Funkturm in Neuaseln.© Foto: Peter Bandermann
Aufkleber auf dem PKW des Getöteten.© Foto: Peter Bandermann
Aufkleber auf dem PKW des Getöteten.© Foto: Peter Bandermann
Das Hochhaus in der Funkturm-Siedlung in Neuasseln.© Foto: Peter Bandermann
Ein SEK-Beamter verlässt das Wohnhaus Am Funkturm in Neuasseln.© Foto: Peter Bandermann
Die tödlichen Schüsse fielen in der zweiten Etage des Mehrfamilienhauses Am Funkturm in Neuasseln.© Foto: Peter Bandermann
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Als die Spezialkräfte die Wohnungstür in Neuasseln öffneten, soll der 53-Jährige sofort geschossen haben. Wie viele Schüsse dann insgesamt gefallen sind, dazu geben Polizei und Staatsanwaltschaft keine Auskunft. "Die Aussagen sind", sagte die Dortmunder Staatsanwältin Sandra Lücke gegenüber unserer Redaktion, "dass die Beamten sofort unter Beschuss gerieten. Die Spurenlage gibt das auch her." Inzwischen fand die Obduktion des Getöteten statt. Zum Ergebnis ist nichts zu erfahren. Nur soviel: "Es gab einen tödlichen Schuss."

Polizist am Auge verletzt

Dem Polizeibeamten, der während des Einsatzes verletzt wurde, geht es "den Umständen entsprechend", so Sandra Lücke. Er sei durch einen Splitter am Auge verletzt worden. Die Staatsanwältin erklärte: "Ein Schuss des 53-Jährigen traf in einen Spiegel, der direkt neben der Eingangstür hing. Der Spiegel zerbarst und ein Splitter verletzte den Beamten am Auge."

Wie viele Spezialkräfte am Donnerstagmorgen zu dem Einsatzkommando aus Düsseldorf gehörten, verraten Polizei und Staatsanwaltschaft nicht. "So etwas", sagte Staatsanwältin Lücke, "wird aus ermittlungstaktischen Gründen nie bekannt gegeben." 

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