Glatthaar geht

WITTEN "Ich bin kein Präsident mehr." Mit dieser Nachricht überraschte gestern Prof. Dr. Wolfgang Glatthaar. Nachdem er die Uni Witten/Herdecke auf einen neuen Kurs gebracht hat, ziehe er sich zurück, teilte er mit. Gleichzeitig erklärte die Uni, er sei mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden worden.

von Susanne Linka

, 24.07.2007, 21:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Glatthaar geht

<p>Prof. Dr. Birger Priddat wird neuer Uni-Präsident. privat</p>

"Ich habe inhaltlich und wirtschaftlich strukturell die Voraussetzung dafür geschaffen, dass sich die Uni zu einer Spitzen-Uni entwickeln kann", betonte der scheidende Hochschul-Chef. "Die Gesellschafterversammlung ist der Überzeugung, dass die Neuausrichtung sinnvollerweise mit einem personellen Neuanfang verbunden sein muss", heißt es in der offiziellen Mitteilung.

"Ich habe inhaltlich und wirtschaftlich strukturell die Voraussetzung dafür geschaffen, dass sich die Uni zu einer Spitzen-Uni entwickeln kann", betonte der scheidende Hochschul-Chef. "Die Gesellschafterversammlung ist der Überzeugung, dass die Neuausrichtung sinnvollerweise mit einem personellen Neuanfang verbunden sein muss", heißt es in der offiziellen Mitteilung.

Unterstützung

Glatthaar versicherte gegenüber unserer Zeitung, dass der Abschied auf eigenen Wunsch erfolge. Stiftungsratsmitglied Dr. August Oetker habe schon eine Weile von seinen Rückzugsplänen gewusst. Vor allem ihm sei er für die Unterstützung während seiner Amtszeit dankbar.

Als er vor zwei Jahren angeworben worden war, habe er keine Klarheit darüber gehabt, in welchem Zustand sich die Privat-Uni befand, sagte Glatthaar gestern. "Ich war gerade einmal zwei bis drei Wochen im Amt, da wollte der Wissenschaftsrat die Einschreibung für unser Medizin-Studium stoppen", erinnert er sich an das erste - und von keinem vorhersehbare - Ereignis, das ihm die Arbeit erschwerte.

Finanzen fern der Realität

Und so sei es weitergegangen: Bei seinem Amtsantritt habe es beispielsweise geheißen, die Finanzlage sei so gut wie nie. Doch tatsächlich fand er eine völlig andere Realität vor. "Seit einem Jahr ist ja allen hier klar gewesen, dass der Uni die Insolvenz drohte", klagt er an.

Unter seiner Führung ist es aber gelungen, das finanzielle Aus abzuwenden und eine Einigung mit dem Wissenschaftsrat zu erzielen. Oetker erkannte dies gestern an. Es sei auch Glatthaars Verdienst, dass die erfolgreiche Medizinerausbildung fortgeführt werden könne und die Uni jetzt über ein zukunftssicherndes Finanzierungsmodell verfüge.

Glatthaar selbst erklärte im Gespräch mit unserer Zeitung, er habe in der Vergangenheit mehrmals ans Aufhören gedacht. "Es reicht, nehmt euch einen anderen", sei ihm oft durch den Kopf gegangen. Jetzt sei er glücklich, dass er durchgehalten und die Hochschule in sicheres Fahrwasser manövriert habe.

Institute gegründet

Sein Nachfolger steht bereits fest: Es ist Prof. Dr. Birger Priddat, der von 1991 bis 2005 an der UWH forschte und lehrte. Auf seine Initiative gehen Gründungen wie das Wittener Institut für Familienunternehmen, das Institut für Mergers und Acquisitions sowie das Deutsche Kompetenzzentrum für nachhaltiges Wirtschaften zurück.

"Jetzt mache ich erst einmal mit meiner Familie Urlaub", freut sich Glatthaar. Er gehe zurück nach Stuttgart. Ob das Modell Privat-Universität in seinen Augen eine Zukunft habe, darauf gibt Glatthaar eine diplomatische Antwort: "Das wird sich weisen." Und eigentlich sei es schon ein Weltwunder, dass die Hochschule unter den alten Bedingungen überhaupt so lange existieren konnte.