Goldener Bär für italienische Flüchtlings-Doku

Berlinale

Ein Bär fürs wahre Leben: Mit dem italienischen Flüchtlings-Film "Fuocoammare" gewinnt erstmals eine Dokumentation den Wettbewerb der Berlinale.

BERLIN

von Von Patrick Wildermann

, 21.02.2016, 13:37 Uhr / Lesedauer: 1 min
Goldener Bär für italienische Flüchtlings-Doku

Gianfranco Rosi erhielt für seine Lampedusa-Dokumentation den Goldenen Bär der Berlinale.

Das Filmfestival ist bekannt für ihre Statement-Preise. Also Auszeichnungen, die mindestens so sehr den politischen Kontext eines Films bedenken, wie die Kunst selbst. Insofern ist der diesjährige Goldene Bär für Gianfranco Rosis Lampedusa-Dokumentation "Fuocoammare" nicht zuletzt eine klare Botschaft an die europäischen Abschottungs-Befürworter: Verschließt nicht die Augen vor dem Leid der Flüchtenden!

Alltag auf Lampedusa

Regisseur Rosi zeigt in ruhigen Einstellungen den Alltag auf der Mittelmeer-Insel. Spielende Kinder, kochende Großmütter. Und daneben: anlandende Boote mit halb toten Geflüchteten. Zwei Welten, die sich in seinem Film nicht berühren.

Man sieht die Provokation: Das Elend ist Tagesgeschäft geworden. Vermisst allerdings so etwas wie eine Haltung des Filmemachers dazu. Dennoch, viele Bilder gehen unter die Haut. Ein gerechter Bär.

Trine Dyrholm geehrt

Auch die übrigen Preise sind von Meryl Streep und ihren Jury-Kollegen durchweg vertretbar und durchweg kaum überraschend verteilt worden. Der Silberne Bär für die beste Darstellerin geht an die Dänin Trine Dyrholm, die in Thomas Vinterbergs "Kollektivet" eine Kommunardin spielt.

Bei den Männern wurde Majud Mastoura ausgezeichnet, Titelheld des tunesischen Films "Hedi". Er verkörpert einen braven jungen Mann, der kurz vor der Hochzeit vom Pfad abweicht.

Achtstunden-Film ausgezeichnet

Erfreulich auch der Silberne Bär für die Beste Regie, den die Französin Mia Hansen-Løve für ihren Film "L’avenir" mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle bekommt. Ebenso verdient: der Drehbuchpreis für das schroffe polnische Vier-Frauen-Drama "United States of Love" von Tomasz Wasilewski. Und der "Große Preis der Jury" für die bosnische Europa-Satire "Death in Sarajevo".

Last but not least: Natürlich ist auch der philippinische Achtstunden-Film "A Lullaby to the Sorrowful Mystery" von Lav Diaz nicht leer ausgegangen. Er bekommt den Silbernen Alfred-Bauer-Bären für die Öffnung neuer Perspektiven.

Und die Deutschen? Müssen sich damit zufriedengeben, dass sie als Koproduzenten an "L’avenir" beteiligt sind. Auch eine Übung in europäischem Gemeinschaftsgefühl.

 

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