Goldener Bär für Ungarn

Berlinale

Ein Goldener Bär für Ungarn, ein Trostpflaster für Deutschland: Auf der 67. Berlinale sind die Preise am Samstagabend in Berlin vergeben worden.

BERLIN

von Von Patrick Wildermann

, 19.02.2017, 13:03 Uhr / Lesedauer: 1 min
Goldener Bär für Ungarn

Die ungarische Autorin und Regisseurin Ildikó Enyedi mit ihrem Goldenen Bären

Ein blutiger Sieger also: "On Body and Soul", ein Film der ungarischen Regisseurin Ildikó Enyedi, hat den Goldenen Bären gewonnen. Ihre Geschichte spielt im Schlachthaus und erzählt von der durchaus ungewöhnlichen Liebe zwischen einer strengen Fleischprüferin (Alexandra Borbély) und einem älteren Wirtschaftsdirektor (Géza Morcsányi), die im Alltag nicht zueinanderfinden können. Deswegen begegnen sie sich nachts in gleichen Träumen als Rotwild. Eine versponnene, auch trashige, aber nie kitschige Phantasmagorie.

Die Jury um Präsident Paul Verhoeven - der auch die Schauspielerinnen Maggie Gyllenhall und Julia Jentsch angehörten - hat einen würdigen Gewinner gewählt in einem Jahrgang, in dem sich kein klarer Favorit aufgedrängt hat.

Silber für Kaurismäki

Vor allem kein politischer Film (darauf hält die Berlinale ja große Stücke!), an dem es kein Vorbeikommen gegeben hätte. Selbst Aki Kaurismäkis schöne Flüchtlingsgeschichte "Die andere Seite der Hoffnung" war ja weniger ein tagespolitischer Kommentar, als vielmehr ein universelles Plädoyer für den Humanismus. Dafür gab es, erfreulicherweise, den Silbernen Bären für die beste Regie.

Etwas überraschend dagegen die Verleihung des Darsteller-Bären an Georg Friedrich. Klar, der Österreicher ist ein toller Schauspieler. Was er in Thomas Arslans gekünsteltem Vater-Sohn-Drama "Helle Nächte" allerdings nur bedingt zeigen konnte.

Die Vergabe des Silbernen Bären an die Koreanerin Kim Minhee geht dagegen völlig in Ordnung. Sie spielt in "On the Beach at Night Alone" großartig eine zwischen Hamburg und Korea driftende Liebesflüchtige.

Starke Frauenfiguren

Aber es war ja sowieso eine Berlinale der Frauen. Was sich auch im Preis für das beste Drehbuch niedergeschlagen hat, der an die Chilenen Sebastian Lelio und Gonzalo Maza für "A Fantastic Woman" ging, die Geschichte einer couragierten Transfrau.

Und in der Auszeichnung des Dramas "Félicité" mit dem Großen Preis der Jury. Alain Gomis erzählt darin vom aufopferungsvollen Kampf einer Mutter in Kinshasa um ihren verunglückten Sohn. Noch ein verdienter Bär für eine Löwin.