Gottesdienst der anderen Art

Margarethenkapelle

Hochschulpfarrerin Ilona Schmidt wollte am Sonntag herausfinden, ob arabische Musik in einem christlichen Gottesdienst "geht". Musik eines ganz anderen Glaubens in ihrem Gottesdienst. Und eine Predigt im Dialog zwischen ihr und einer Atheistin - in einer christlichen Kirche?

BAROP

von Von Gianna Grün

, 11.01.2011, 16:53 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Gottesdienst der anderen Art: Professorin Irmgard Merkt, der Musiker Shadi Duqmaq, Pfarrerin Ilona Schmidt und eine Studentin.

Ein Gottesdienst der anderen Art: Professorin Irmgard Merkt, der Musiker Shadi Duqmaq, Pfarrerin Ilona Schmidt und eine Studentin.

Ungewöhnliche Klänge rahmten das Abendmahl ein: der palästinensische Musiker Shadi Duqmaq spielte und sang arabische "Kirchenlieder" auf einer Laute. Dabei hält er das bauchige Holzinstrument wie eine Gitarre auf seinen Beinen. Fast regungslos und mit geschlossenen Augen singt und spielt er, als würde er gleichzeitig dem Klang seiner eigenen Stimme lauschen.   Die fremden Töne beförderten Bilder aus 1001 Nacht und Wüstenszenen in die Kirche, sind gleichzeitig aber doch melancholisch. Gar nicht so laut und lobpreisend, wie man Kirchenmusik sonst kennt, sondern viel leiser und bedächtiger.

Schulter an Schulter mit einem Lächeln stehen Pfarrerin Ilona Schmidt und Hochschulprofessorin Irmgard Merkt vor den 14 Gottesdienstbesuchern und erzählen von ihren "Lebensthemen, sodass jeder etwas für sich daraus mitnehmen kann". Pfarrerin Schmidt spricht dabei auch von Zweifeln, die sie in Bezug auf biblische Texte hat: "Das mit der jungfräulichen Geburt, das konnte ich nie glauben."   Dann habe sie einen Professor für das Alte Testament getroffen, der ihr verschiedene Auslegungen des Begriffs "jungfräulich" erklärt habe. Sie habe gelernt, dass man seinen Zweifel nicht verstecken braucht, sondern offen damit umgehen kann. Professorin Merkt hingegen fühlt sich und das, woran sie glaubt, nicht durch die Kirche repräsentiert. Im Gegensatz zur Pfarrerin sehe sie für sich keine Chance, die Kirche von innen zu verändern: "Die Kirche ist dann reformiert, wenn sie eine dunkelhäutige Päpstin hat."  

Der nächste Kontrast dieses ungewöhnlichen Sonntags. Zum Ende der Predigt wünscht Pfarrerin Schmidt, dass alle offen genug sind für Begegnungen mit anderen Kulturen. Zumindest die Besucher der Margarethenkapelle sind es. "Das war richtig erfrischend und hat mir die Möglichkeit gegeben, in die Tiefe zu gehen. Sie haben direkt den Menschen angesprochen, nicht, um sich selbst zu profilieren, sondern um herauszufordern", sagt Isolde Braun, eine 68-jährige Hombrucherin. "Ich finde diese Art von Gottesdienst ist ein Zeichen der Zeit – das ist jetzt einfach dran."