Graf bebalzt Schillers Königin mit der Gitarre

Grillo Theater Essen

Dieser Versuchung konnte Anna Bergmann wohl nicht widerstehen. Nachdem die Männer um Königin Elisabeth mehrfach genötigt waren, das Loblied auf ihre Herrscherin anzustimmen, endet das Stück mit der Punk-Hymne "God Save The Queen" von den Sex Pistols. Bergmanns Inszenierung von Schillers "Maria Stuart" (Premiere Samstag im Grillo Theater Essen) hängt dem Klassiker ein modern geschneidertes Mäntelchen um, das mal mehr und mal weniger gut passt.

ESSEN

, 26.06.2016, 17:13 Uhr / Lesedauer: 1 min
Stephanie Schönfeld als Elisabeth

Stephanie Schönfeld als Elisabeth

Aufgesetzt ist es da, wo Maria (gut: Janina Sachau) zu singen beginnt, als wären wir im Musical. Oder da, wo der Graf von Leicester (Thomas Meczele) Königin Elisabeth (Stephanie Schönfeld) mit der Gitarre bebalzt.

Wenn beim Anschlag auf die Königin der Attentäter "Scheiße" flucht und "Ist das Schiller?" ruft, wirkt das überflüssig. Zur Fechterei zwischen Leicester und Mortimer hören wir klotzige Breakbeats. Am Ende wird Maria (sie trägt Orange wie in Guantanamo) in Gegenwart eines Arztes per Infusion hingerichtet.

Drama-Queen

Schön ist der Einfall, Maria zu Beginn wie eine Drama-Queen des Stummfilms agieren zu lassen. Auf der Habenseite verbucht die Inszenierung ein tolles Bühnenbild (Florian Etti), das zwei Quader auf der Drehbühne rotieren lässt.

Dazu Kostüme (Claudia González Espíndola), die erst historisch wirken und dann durch Sakko und Anzug ersetzt werden. Streng schwarz die Grundfarbe, darauf rote und weiße Tupfer königlicher Prachtroben - das ergibt starke Bilder.

Weniger Personal und Text

Die Textfassung ist gekürzt, das Personal auf ein Sextett reduziert: Axel Holst spielt den Baron von Burleigh, der für Marias Tod plädiert. Jens Winterstein ist der besonnene Mahner Shrewsbury. Elisabeth schiebt den Befehl, ihre Rivalin zu töten, den Beratern in die Schuhe.

Eine wetterwendische Opportunistin, die turtelt und jauchzt wie ein Backfisch, dann eiskalt ist gegen die Stuart. Maria bleibt moralische Siegerin, sterben muss sie aber doch. Eines ist die Inszenierung sicher: kurzweilig, unterhaltsam, ein Fest fürs Auge. Viel Applaus.

2./7.7., Karten: Tel. (0201) 8122200.