„Greatest Showman“ lässt die Zuschauer kalt

Im Kino

In dem neuen Film „The Greatest Showman On Earth“ darf Hugh Jackman als Zirkus-Impresario singen und tanzen, doch das allein macht noch kein tolles Film-Musical.

Dortmund

, 04.01.2018, 16:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Greatest Showman“ lässt die Zuschauer kalt

Auf dem Dach singen sie im Duett: P.T. Barnum (Hugh Jackson) und seine Frau (Michelle Williams). Foto: Twentieth Century Fox

Er war die schillerndste Figur in Amerikas Unterhaltungsgeschäft des 19. Jahrhunderts, ein gewiefter Werbestratege, der wusste, wie man Dinge in die Welt posaunt und zur Sensation aufbläst.

Der amerikanische Traum ist ein Märchen

Der 1810 geborene P.T. Barnum war ein „Selfmade-Man“, für den der amerikanische Traum Wirklichkeit wurde, ein armer Schlucker, der es mit seinem Zirkus zu Vermögen brachte. Das Film-Musical „The Greatest Showman On Earth“ feiert ihn als guten Menschen und liefert dabei ein stilisiertes, eindimensionales Bild von Barnum und seinen Geschäften.

Hier erscheint er als Strahlemann, der dem Publikum Freude bringt, seinen Künstlern ein Auskommen beschert und sie zu einer glücklichen Familie vereint. Mit anderen Worten: Der Film von Michael Gracey ist ein Märchen.

Wildes Getanze in mehreren Tingeltangel-Szenen

Es hat Hugh Jackman in der Hauptrolle, es bietet Revue- und Tingeltangel-Szenen, in denen flott getanzt und gesungen wird, es ist optimistisch, bunt und bewegt. Wirklich bewegend ist der Film allerdings nicht. Er knipst seinen Figuren den Scheinwerfer an, hat aber kein tieferes Interesse an ihnen.

Alle sind Funktionsmodule im Fluss einer schnell und glatt abgespulten Geschichte, in der für Ecken und Kanten kein Platz ist. Nicht verweilen, keinen Konflikt vertiefen, weiter, weiter, heißt die Devise.

Zuschauer baut keine Bindung auf

Zu entkernten Figuren ohne Innenleben baut der Zuschauer keinen emotionalen Draht auf. Man schaut ihnen zu, weiter nichts. Im Zeitraffer handelt „Greatest Showman“ Barnums Jugend ab, einen Schnitt später steckt Jackman in der Figur, die den missgelaunten Schwiegereltern ihre Tochter (Michelle Williams) entführt.

Schon hat das Paar zwei Töchter. Barnum hockt im Büro einer Reederei, wird gefeuert, doch seine Frau hält zu ihm. Barnum eröffnet ein Kuriositäten-Museum, das erst gut läuft, als er „Freaks“ anheuert, wie sie schon Tod Brownings Filmklassiker bevölkerten: Frau mit Vollbart, Zwerg, Albino-Dame, siamesische Zwillinge.

Choreografien ähneln den heutigen Standards

In der besten Singtanz-Sequenz gewinnt Barnum einen Theatermacher als Kompagnon, gespielt von Posterboy Zac Efron. Der schmachtet sich vorhersagbar durch die Liebelei mit einer Artistin (Zendaya), bei Barnum hängt der Haussegen schief.

Sturm im Wasserglas, singend und tanzend wird alles gut. Musik-Arrangements und Choreografien sind nah am Zeitgeist modernen Pops und heutiger Tanzfilme. Nett anzusehen, ansprechend gesungen, aber nicht berauschend. Was fehlt, sind zündende Melodien. Routinierte Unterhaltung, mehr nicht.

Schlagworte: