Grenzort will Übergang nach Holland schließen

Wegen kaputter Straße

Es geht um gerade mal 1000 Meter. Aber zahlreiche Schlaglöcher machen eine Straße in einem Grenzort der Grafschaft Bentheim für Fahrradfahrer und Autos zu einer Gefahr. Für eine Sanierung fehlt das Geld. Deshalb will die Gemeinde ihren Grenzübergang nach Holland schließen. Scheitert die europäische Einheit an Schlaglöchern?

WIELEN

30.06.2015, 14:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schlaglöcher machen den Balderhaarweg für Radler zu einer Gefahr und wegbrechende Seitenstreifen bringen auch Autos aus der Spur. An rund 1000 Metern sanierungsbedürftiger Straße in der Grafschaft Bentheim droht im Moment die Einheit Europas zu scheitern. Weil sie die rund 50 000 Euro zur Sanierung nicht aufbringen kann, will die Gemeinde Wielen den Grenzübergang notgedrungen für Autos schließen.

Nach einer Protestwelle, Unterschriftenaktionen und einer Online-Petition wird die Maßnahme nun aufgeschoben. Beiderseits der Grenze wollen Gemeinden nach Geld und möglichen EU-Subventionen suchen, selbst Firmen wollen für die offene Grenze Geld spenden.

Freibad schon geschlossen

„Wir haben alle Bauchschmerzen dabei gehabt, wir stehen mit dem Rücken an der Wand“, erklärt Bürgermeister Gerhard Plöns. „Wir haben schon das Freibad schließen müssen.“ Zu dem Entschluss sei es aus der Not heraus gekommen, weil die einspurige Straße zum Sicherheitsrisiko geworden sei. 600 Autos wurden bei einer Zählung alleine von morgens sechs bis abends um sieben Uhr registriert. „Das ist eine kleine Gemeindestraße, die ist für so viel Verkehr nicht geeignet.“ Zwei Betonpfeiler an der Grenze engen die Verbindung sowieso schon ein, damit nicht noch Lastwagen die teils noch gepflasterte Straße ramponieren.

Widerstand gegen Schließung

Die Ankündigung der Schließung Mitte Juni - auf holländischer Seite wurde gleich schon ein Schild aufgestellt - schlug dann hohe Wogen. „Es gibt Widerstand in der Bevölkerung und eine Unterschriftenaktion, auch deutsche Firmen haben sich gemeldet, die Angst haben, dass sie weniger Kundschaft haben“, sagt Plöns. Auf niederländischer Seite habe man gesagt: „Das geht gar nicht.“

Dort kam die Sorge auf, dass sich der ganze Verkehr auf einen weiteren kleinen Grenzübergang verlagert. Quasi als Strafaktion forderten niederländische Lokalpolitiker schon, dann auch diesen Grenzübergang zu schließen. Bis zur nächsten Hauptstraße, dem offiziellen Grenzübergang, ist es ein Umweg von sechs bis sieben Kilometern.

Gegen die europäische Integration

Beim deutsch-niederländischen Kommunalverband Euregio ist man über den Straßenstreit gar nicht glücklich. „Betroffen sind zum Beispiel Niederländer, die in Deutschland wohnen und ihre Kinder in der Heimat in die Schule bringen, für die bedeutet das einen großen Umweg“, meint Sprecherin Marie-Lou Perou. „Das ist alles kontraproduktiv für die europäische Integration, je länger der Umweg ist, desto höher ist die Schwelle, über die Grenze zu gehen.“

Bei der Suche nach Geld haben inzwischen auch Firmen Unterstützung signalisiert, denn sie fürchten den Verlust von Kundschaft ohne die direkte Straße ins Nachbarland. Bisher schon hatten Anlieger selber Hand angelegt, um mit von der Gemeinde geliefertem Schotter die größten Löcher zu stopfen. Inzwischen sei die Schließung des Balderhaarweg um drei Monate aufgeschoben und ein Hilferuf unter anderem an den Landkreis und die Euregio gerichtet worden, meint der Bürgermeister.

Hilfsbereitschaft aus den Niederlanden

Auch im Rathaus von Hardenberg, der nächsten niederländischen Gemeinde, signalisiert man inzwischen Hilfsbereitschaft, wie eine Sprecherin sagte. Gemeinsam wolle man Finanzierungsmöglichkeiten finden. Eine rein niederländische Angelegenheit wäre die Sanierung der Straße übrigens geworden, wenn es nach dem Zweiten Weltkrieg nach dem Willen der Nachbarn gegangen wäre. Als Reparationsleistung gab es Pläne, neben anderen Landstrichen den in die Niederlande hineinragenden Zipfel der Grafschaft Bentheim zu vereinnahmen, dazu kam es aber nicht.

von dpa

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