Grünes Licht für DHL auf dem Opelgelände

Logistikunternehmen in Bochum

Der Rat der Stadt Bochum hat dem Bau eines Paketzentrums auf dem ehemaligen Opel-Gelände zugestimmt. Dadurch könnten unter anderem viele ehemalige Opelaner wieder einen Job bekommen. Doch es gibt auch Gegenstimmen, die einen Anstieg der Leiharbeit befürchten.

BOCHUM

21.02.2015 / Lesedauer: 3 min
Grünes Licht für DHL auf dem Opelgelände

Auf dem Gelände des ehemaligen Opelwerks plant DHL ein Paketzentrum.

Nun steht dem Bau des neuen DHL-Paketzentrums eigentlich nichts mehr im Weg – am Donnerstag stimmte die Mehrheit im Rat der Stadt Bochum für eine Änderung des Bebauungsplans der Fläche des ehemaligen Opelwerks I. Nun können sich dort auch Logistikbetriebe niederlassen. Das sorgt im Rat allerdings selbst bei den Befürwortern für gemischte Gefühle. Die Änderung besagt, dass sich Logistikbetriebe künftig auf dem ehemaligen Opelgelände niederlassen dürfen, wenn diese eine nennenswerte Wertschöpfung vor Ort und mindestens 35 Arbeitsplätze pro Hektar schaffen können.

 

Die Zahl der Gegenstimmen war laut Dr. Frank Taschner von den Grünen gering. Die Grünen im Rat stimmten dafür. Dennoch merkt Taschner an, dass man die Niederlassung eines Logistikunternehmens auf der ehemaligen Opelfläche nach wie vor kritisch betrachte. Thomas Becker von der CDU-Ratsfraktion sagt, man habe „schweren Herzens“ und wegen der fehlenden Alternativen grünes Licht gegeben. Denn die erhofften Nachfragen aus der Industrie blieben bisher aus. Er räumt ein, dass es sich bei den geplanten 600 Arbeitsplätzen nicht um reine Wunscharbeitsplätze handeln würde. Aber: „600 Arbeitsplätze sind ein starkes Argument“, findet Becker. Ähnlich sahen es auch die weiteren Befürworter. „Wir wollen aber nicht, dass die gesamte Opelfläche nur mit Logistik zugepflastert wird“, sagt Taschner.

Offene Fragen

Das sieht Andre Kasper von den Piraten im Rat ähnlich – und für ihn war dies Grund genug, um gegen eine Änderung des Bebauungsplans zu stimmen. „Wir sind nicht dagegen, dass Arbeitsplätze geschaffen werden“, sagt Kasper. Doch zu viele Fragen seien noch unbeantwortet. Und durch die Änderung könne in Zukunft theoretisch die gesamte Fläche durch Logistikunternehmen genutzt werden. Damit das in der Praxis nicht passiert, stellten die Piraten einen Änderungsantrag. Dieser beschließt, dass die Verwaltung weitere Informationen zum Vorhaben von DHL beschafft. Die CDU hat mittels Änderungsantrag verlangt, dass bei weiteren Interessenten aus dem Logistikgewerbe erneut im Rat abgestimmt wird.

Die Gegenstimmen kamen jedoch auch durch Sorge um das bestehende Paketzentrum in Riemke zustande. Die Piraten fürchten, dass dieses umgelagert wird. Auch deshalb würde man bei den Piraten bezweifeln, dass DHL die versprochenen 600 neuen Arbeitsplätze wirklich schafft. „Bei unseren Recherchen fanden wir heraus, dass 60 Prozent der DHL-Beschäftigten in Nürnberg aus Leiharbeitern bestehen“, sagt Kasper. Er fürchtet, dass das in Bochum ähnlich aussehen könnte.

Tarifarbeit

Laut Professor Dr. Rolf Heyer von der Gesellschaft Bochum Perspektive 2022, in der sich die Stadt und Opel zusammengeschlossen haben, soll genau das aber nicht passieren. Es sollen tarifliche Arbeitsplätze entstehen. Dafür kämen laut Heyer auch ehemalige Opelarbeiter infrage: „Viele waren immerhin jahrelang bei Opel in der Logistik tätig.“