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Gruß aus Bochum: Alter Hauptbahnhof

Teil 4

Im vierten Teil der Postkartenserie von Frank Dengler geht es um Bochums alten Hauptbahnhof. Wer auf dem Gelände gegenüber dem Konrad-Adenauer-Platz jetzt Spuren des ersten Bochumer Hauptbahnhofs sucht, wird jedoch nicht viel Glück haben.

BOCHUM

von Von Frank Dengler

, 09.03.2009

 

Das Empfangsgebäude von 1872 ist im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Nach der Zerstörung des alten Bahnhofs im Zweiten Weltkrieg baute man bis 1957 den heutigen Hauptbahnhof. An seiner Stelle befindet sich seit 60 Jahren der ehemalige "Katholikentagsbahnhof", der kurzzeitig auch als Hauptbahnhof diente.

Im Jahr 1860 wurde Bochum erstmals an eine Eisenbahnlinie - die Bergisch-Märkische Bahn - angeschlossen. Zunächst gab es nur einen provisorisch aus Holz konstruierten Bahnhofsbau. Erst zwölf Jahre später wurde das nicht sehr große, aber mit seinen unterschiedlich gestaffelten Baukörpern doch repräsentative Gebäude errichtet, wie es auf der Ansichtskarte von 1923 zu sehen ist.

Nord und Süd

Nach dem Bau des Nordbahnhofs für die Rheinische Bahn (heute Ecke Ostring/Schwanenmarkt) im Jahr 1874 erhielt der ältere Bahnhof die Bezeichnung "Bochum Süd". Er blieb aber der bedeutendere von beiden und wurde schließlich offiziell zum Hauptbahnhof.

Unter den Ansichtskarten dieses ältesten Bahnhofs kann man noch heute besonders viele finden, die von französischen Soldaten während der Besetzung des Ruhrgebiets 1923-25 geschrieben wurden. Adressiert an Verwandte und Freunde in der Heimat, aber auch an Kameraden, die ebenfalls im Ruhrgebiet stationiert waren, enthalten die meisten dieser Karten die üblichen kurzen Grüße.Keine charmanten Bemerkungen

Manchmal haben die Verfasser jedoch auch Bemerkungen über Land und Leute gemacht, die nicht immer besonders charmant waren. So beklagte ein in Laer untergebrachter Soldat 1923, in was für eine triste Gegend mit hässlichen Bewohnern es ihn verschlagen habe: "Quel triste pays et quelles vilaines têtes on y voit!"

 

Nach der Zerstörung des alten Bahnhofs im Zweiten Weltkrieg begannen umfangreiche Planungen für eine Neuordnung der Bochumer Bahntrassen. Schließlich baute man bis 1957 den heutigen Hauptbahnhof.

Zwischenzeitlich diente jedoch ein Neubau an der alten Stelle als provisorischer Hauptbahnhof. Er wurde ursprünglich für den Katholikentag 1949 errichtet, zu dem Bochum hunderttausende Besucher erwartete. Es handelt sich bei diesem Flachbau aus Backstein um typisch schlichte Architektur aus der frühen Nachkriegszeit mit wenigen Schmuckformen, wie dem Eingangs-Vorbau aus Naturstein und dem runden Oberlicht über der Empfangshalle.Verfall trotz Denkmalschutz

 

Nachdem es als Bahnhof nicht mehr benötigt wurde, ist das Gebäude mehrere Jahrzehnte als Bundesbahnschule genutzt worden, und es verschwand aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit. In den letzten Jahren stand es leer und war trotz Denkmalschutz dem Verfall preisgegeben, was durch Akte des Vandalismus noch beschleunigt wurde. Insofern könnte man beim aktuellen Anblick des alten Bahnhofs und seines Umfelds ähnlich wie der französische Soldat vor 86 Jahren von einer "tristen Gegend" sprechen.

Sicherungsmaßnahmen

Doch gibt es mittlerweile einen Lichtblick, denn vor wenigen Monaten haben erste Sicherungsmaßnahmen begonnen. Inzwischen sind die Dächer abgedichtet und die zerschlagenen Scheiben des Oberlichts ersetzt worden. Nach Plänen von Frank Goosen und Leo Bauer wird hinter der Riff-Halle eine neue Kleinkunstbühne eingerichtet. Auch der ehemalige Bahnhof soll restauriert und mit neuer Nutzung in das Viktoria-Quartier integriert werden.Der Katholikentag 1949

Mit dem 73. Katholikentag vom 1. bis 4. September 1949 fand die erste Großveranstaltung in Bochum nach dem Krieg statt. 60 000 kamen zur Eröffnungsveranstaltung in einer Halle des Bochumer Vereins, 70 000 zur Jugendkundgebung und knapp 600 000 zur Abschlussfeier. 900 Helfer mit Sammelbüchsen trugen rund 100 000 DM zusammen, die den Grundstock für das „Katholikentagsdorf“ bildeten, eine Siedlung in Harpen.