Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Gruß aus Bochum: Das "Ehrenmal" in Wattenscheid

Teil 108

Nicht weit vom Wattenscheider Bahnhof liegt zwischen Bußmannsweg und Bahnhofstraße eine kleine Parkanlage, in deren Mitte sich ein monumentales Kriegerdenkmal befindet. Es wurde 1933-34 als "Ehrenmal" für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs errichtet.

BOCHUM

von Von Frank Dengler

, 12.07.2013

Die Pläne für die umfangreichen baulichen Anlagen stammten vom Wattenscheider Stadtbaumeister Schumacher. Er entwarf kein Denkmal mit einem Standbild, sondern eine große, streng symmetrische Terrassenanlage mit zwei Ebenen und einer halb in die Erde versenkten Halle. Alle sichtbaren Bauteile sind mit Bruchstein verkleidet, und die obere Terrassenebene, die über zwei breite Freitreppen erschlossen wird, trägt auf zwei Seiten eine holzgedeckte Pergola. Hier befanden sich ursprünglich ein Brunnen und ein Sandsteinsockel mit der Inschrifttafel: „Weilst Du an diesem Ort, gedenke in Ehrfurcht der Väter und Söhne, die für Dich und Deutschlands Ehre kämpften und starben.“

Unterhalb der Terrasse liegt die 196 Quadratmeter große „Ehrenhalle“ oder Krypta. Ihre Rückwand trug ursprünglich eine acht Meter breite Bronzetafel mit den Namen der 2037 Wattenscheider Gefallenen des Ersten Weltkriegs. In der Mitte der Halle befindet sich ein steinerner Sockel, der wie ein Altar wirkt. Insgesamt hat die im Halbdunkel liegende Krypta einen bedrückenden, sakralen Charakter, wobei christliche Symbolik 1934 anscheinend bewusst vermieden wurde. Die farbige Ansichtskarte zeigt die Gesamtanlage des Ehrenmals kurz nach der Einweihung am 4. August 1934. Vor der Krypta erstreckte sich nach Norden ein langes, von Beeten umgebenes Wasserbecken mit fünf Fontänen. Schon 1936 musste es aufgegeben und mit Erde verfüllt werden, nachdem es durch mehrere Tagesbrüche der Zeche Centrum-Morgensonne undicht geworden war. Dies berichtet der frühere Leiter des Wattenscheider Grünflächenamtes, Gerd Kretschmann. Er hat ein Manuskript zur Geschichte des Ehrenmals verfasst, das im Bochumer Stadtarchiv aufbewahrt wird. Nach dem Krieg wurde die Parkanlage mehrmals umgestaltet – so scheinen die hohen Bäume, die heute das Denkmal umgeben, in den 1950er-Jahren gepflanzt worden zu sein. Das Ehrenmal selbst blieb baulich fast unverändert: außer dem Brunnen auf der oberen Terrasse wurden lediglich die nationalistische Inschrift und in der Krypta die Namenstafel entfernt und durch neue Gedenktafeln ersetzt.

Auf der Terrasse ist nun zu lesen: „Die Stadt Wattenscheid ihren Gefallenen zur Ehre und zum Gedenken 1914-1918 + 1939-1945 – Den Toten zum Gedächtnis, den Lebenden zur Mahnung“. Während diese Inschrift nicht gerade einen radikalen Bruch mit der Aussage ihrer Vorgängerin vollzieht, steht in der Krypta schon versöhnlicher: „Hier wollen wir Euch gegenwärtig sein. Vergesst uns nicht! Sorgt, dass Frieden blüht aus unseren Gräbern.“ Trotz des Geisteswandels bezog sich dieses Gedenken vornehmlich auf die gefallenen deutschen Soldaten der Weltkriege – die Opfer der NS-Gewaltherrschaft seit 1933 blieben außen vor.

Insofern verwundert es nicht, dass das „Ehrenmal“ – so bis heute die offizielle Bezeichnung – nach wie vor umstritten ist. Jährlich findet hier eine Gedenkfeier zum Volkstrauertag statt. In ihrem Vorfeld wird das Denkmal häufig mit linken Parolen besprüht, und umgekehrt ist es immer noch ein beliebter Treffpunkt der rechten Szene. So polarisiert das Kriegerdenkmal, dessen Erscheinungsbild die Entstehung in der NS-Zeit nicht leugnen kann, bis heute. Längst wäre es angebracht, es durch geeignete Informationen vor Ort in seinen historischen Kontext zu stellen.

Schlagworte: