Gruß aus Bochum: Der Glanz der "Lichtburg"

Teil 35

Pünktlich zum Beginn der Tonfilm-Ära wurde im Ehrenfeld 1928/29 ein hochmodernes Kino erbaut. Die "Lichtburg" war vor dem Zweiten Weltkrieg auch architektonisch eines der auffälligsten Gebäude in Bochum.

BOCHUM

von Von Frank Dengler

, 22.06.2010, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf die Frühzeit des Films mit wandernden Kinos, die Gastspiele in Varietés, Konzertsälen oder Zelten gaben, folgten permanente Lichtspielhäuser. In Bochum eröffneten schon 1906 die "Weltlichtspiele" am Süd- bzw. Hauptbahnhof. Bis Ende der 1930er-Jahre etablierten sich in der ganzen Stadt 18 Kinos. Das größte war das UFA-Theater "Tonhalle" auf der Bongardstraße mit 1034 Sitzen, das nach einem Umbau auch Tonfilme zeigen konnte - daher der Name. Nicht alle lagen in der Innenstadt, denn jeder größere Stadtteil verfügte über eigene Kinos.

Für Tonfilme konzipiert

Das modernste, das von Anfang an für die Projektion von Tonfilmen konzipiert war, wurde 1928 bis '29 im Ehrenfeld, an der Ecke von Königsallee und Okar-Hoffmann-Straße, erbaut. Die Pläne für die Bochumer "Lichtburg" stammten von Carlo Schloenbach und Carl Jacobi, die sich kurz zuvor mit dem "Titania-Palast" in Berlin einen Namen als Kino-Architekten gemacht hatten.

Doppelläufige Treppen

In Bochum legten sie den Eingang auf die Ecke, dahinter folgte ein ovales Foyer, von dem doppelläufige Treppen auf den Balkon führten. Der Hauptsaal im Erdgeschoss hatte eine diagonale Achse. Auf diese Weise wurde das Eckgrundstück geschickt genutzt, so dass 994 Personen Platz fanden. Bei der Gestaltung des Innenraums dominierten neben dunkelroten Sitzen weiße, graue und schwarze Töne.

Farbprogramm

Soweit es bei einem schwarz-weißen Foto wie auf der Ansichtskarte von 1930 zu beurteilen ist, entsprach die Fassade dem Farbprogramm des Innenraums. Weiße und graue horizontale Streifen kontrastieren mit einer dunkleren vertikalen Partie links des Eingangs. Die Architektur gibt sich betont modern und sachlich, ist dabei jedoch abwechslungsreich.

Zwei besondere Merkmale sind die weit geschwungene, abgerundete Ecke und der schlanke, senkrechte Leuchtkörper an der Königsallee. Er überragte das Gebäude und machte es auch abends weithin sichtbar. Einen ähnlichen "Lichtturm" hatten Schloenbach und Jacobi auch beim Titania-Palast entworfen.

Starker Gegensatz

In Bochum gab es damals nicht viele Gebäude, die sich vergleichbar modern präsentierten. Wie stark der Gegensatz zur direkten Nachbarschaft war, zeigt die zweite, erst 1954 gelaufene Karte besonders deutlich. Auf der rechten Seite fällt der Blick in die Oskar-Hoffmann-Straße mit der Kreuzung von (Alter) Hattinger und Dibergstraße im Hintergrund. Die historisierenden Gründerzeit-Häuser mit Giebeln, Erkern und Fassaden-Zierrat sind vielleicht 20 Jahre vor der Lichtburg entstanden, scheinen aber einer völlig anderen Zeit anzugehören.

Schwer beschädigt

Das aktuelle Foto nähert sich dem Standort der zweiten Karte an, doch auf den ersten Blick sind kaum Gemeinsamkeiten zu erkennen. Die Lichtburg wurde 1944 schwer beschädigt, zunächst aber blieben die Außenmauern stehen. 1949 brach man die Ruine ab, weil sie der Verlegung der Hattinger Straße im Weg war. Der größte Teil des ehemaligen Kinogrundstücks befindet sich heute mitten auf der Fahrbahn, ungefähr dort, wo der Schatten des Hauses mit der Apotheke zu sehen ist. Neben der Hattinger Straße ist die rechte Seite der Oskar-Hoffmann-Straße in ihrem alten Verlauf wiederzuerkennen, auch wenn die Gebäude nun das Gesicht der Nachkriegszeit zeigen.

Vier Kinos überlebten

Im Gegensatz zur Lichtburg wurden andere Bochumer Kinos nach dem Krieg wieder aufgebaut und neue kamen hinzu. Um 1960 gab es erneut 15 bis 20 Lichtspielhäuser. In der Innenstadt haben allerdings nur vier das folgende Kinosterben überlebt: Bofimax (ehemals Capitol), Casablanca (früher Intimes Theater), Metropolis (Bahnhofslichtspiele "Bali") und das Union-Kino.