Gruß aus Bochum: "Deutschland" über Bochum

Teil 113

Eine Aufsehen erregende Attraktion war am 24. Juni 1910 in Bochum zu bewundern: Zum ersten Mal erschien ein Luftschiff über der Stadt. Im Zuge der damaligen nationalen Zeppelin-Begeisterung wurde dieses besondere Ereignis zum Motiv mehrerer Ansichtskarten.

BOCHUM

von Von Frank Dengler

, 25.09.2013, 15:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Tage später erfolgte dann die Fahrt ins Industriegebiet. Die Ankunft der „Deutschland“ über Bochum geschah buchstäblich „aus heiterem Himmel“, denn bei der damaligen Technik war die genaue Route der Zeppeline stark vom Wetter und den Windverhältnissen abhängig. Am 24. Juni jedenfalls lief alles glatt: Um 8.30 Uhr gestartet, erreichte LZ 7 schon gegen 9.45 Uhr den Zielpunkt Dortmund und kreiste dort 15 Minuten, dann ging es zurück nach Düsseldorf. Über Bochum erschien das Luftschiff gleich zweimal – um 9.35 Uhr auf der Hinfahrt und eine halbe Stunde später auf dem Rückweg. „Die Begeisterung hier war gewaltig“, schildert der Märkische Sprecher die Reaktion der Augenzeugen in Bochum.

Der Fotograf Kurt Schneider, der sein Atelier auf der Humboldtstraße hatte, nutzte die Gunst der Stunde und machte eine beeindruckende Aufnahme der „Deutschland“ über der Innenstadt. Sein Standort war ein Gebäude an der Hattinger Straße (heute Alte Hattinger Straße). Im Vordergrund ist der Bahnhof Süd/Hauptbahnhof zu sehen, rechts fällt der Blick in die Bahnhofstraße (Kortumstraße). Vor dem hellen Haus „fehlt“ noch der 1913/14 erbaute Handelshof. Das auffälligste Gebäude ist die Marienkirche in der Mitte, links hinten zeigt sich unter anderem die Christuskirche. Die Perspektive des Fotografen lässt sich heute noch nachempfinden – allerdings nicht vom damaligen Gebäude, das nicht mehr existiert, und leider ohne Zeppelin am Himmel. Die Aussicht vom Dach der Verwaltung der IG BCE (Bergbau, Chemie, Energie) an der Alten Hattinger Straße ermöglicht am rechten Bildrand ebenfalls den Blick in die Kortumstraße, hier nun mit dem jetzigen Handelshof.

Die Marien- und die Christuskirche stechen auch in der Gegenwart hervor, und im Vordergrund bilden die Bahngleise eine weitere Parallele zur historischen Aufnahme. Schließlich markiert die „Rotunde“ im früheren Katholikentagsbahnhof den Standort des im Krieg zerstörten älteren Bahnhofs. Das Interesse an Luftschiff-Motiven scheint damals so groß gewesen zu sein, dass sogar gefälschte Postkarten gedruckt wurden. So handelt es sich bei dem angeblichen „Zeppelin III“ um eine Fotomontage – die Menschen und Fahnen auf der Straße und den Dächern sind ins Bild retuschiert. Die unmanipulierte Version dieser Karte ist im Internet in der Folge 26 unserer Serie finden.

Am 24. Juni 1910 ahnte niemand, dass die „Deutschland“ schon bald tragisch enden sollte. Bei der nächsten Fahrt vier Tage später fiel einer der Motoren aus, zugleich geriet das Luftschiff in heftige Winde, die es weit nach Norden abtrieben. Nach dem Scheitern einer Landung bei Osnabrück havarierte es im Teutoburger Wald und blieb dort in den Bäumen hängen. Zum Glück gab es keine Toten, aber LZ 7 war irreparabel beschädigt. Somit endete die Laufbahn der „Deutschland“ spektakulär mit einem „Luft-Schiffbruch“. Bochum aber gehörte zu den wenigen Orten, die den Zeppelin noch in voller Pracht erleben konnten.