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Gruß aus Bochum: Die Kemnader Brücke

Folge 169

Über Jahrhunderte gab es zwischen Stiepel und Blankenstein zwar recht enge Beziehungen, aber keine feste Verbindung über die Ruhr. Erst 1928 konnte dieser Mangel mit der Einweihung der Kemnader Brücke behoben werden.

BOCHUM

von Frank Dengler

, 07.12.2015

Die Kemnader Straße ist bis heute ein wichtiger Verkehrsweg von Bochum über Stiepel nach Hattingen-Blankenstein und Herbede. Noch vor 90 Jahren sah dies anders aus. Zwar wurde Stiepel mit einer 1893 fertig gestellten Chaussee – eben der Kemnader Straße – besser an Bochum angebunden als zuvor, doch endete sie im Süden am Ufer der Ruhr.

Anfangs kleine Personenfähre

Dabei hatte Stiepel traditionell enge Beziehungen in diese Richtung: Bis ins 19. Jahrhundert gehörte das Dorf zum Amt Blankenstein, und die Stiepeler Katholiken gingen dort zur Kirche. Nicht zuletzt bestanden vielfältige verwandtschaftliche Beziehungen zwischen beiden Orten. Nur mit einer kleinen Personenfähre („Zur Alten Fähre“) war die Überquerung des Flusses möglich. Fuhrwerke nutzten auch eine Furt bei Haus Kemnade, die allerdings bei Hochwasser nicht passierbar war.

 

Nach dem Bau der Chaussee richtete der damalige Besitzer von Haus Kemnade, der Freiherr von Berswordt-Wallrabe, 1893 eine neue Fährverbindung ein. Sie bestand aus einem Kahn zur Personenbeförderung und einer größeren Ponte, die an einem über den Fluss gespannten Seil geführt wurde und Fuhrwerke transportieren konnte. Diese Verbindung wurde jedoch in Stiepel und Blankenstein von Anfang an als unzureichend kritisiert. Vor allem der Warenverkehr stockte bei Hoch- und Niedrigwasser, wenn die Ponte außer Betrieb genommen werden musste. Auch nachts war die Flussüberquerung kaum möglich.

Forderungen vom Freiherrn

So bildete sich 1903 in beiden Orten eine Initiative zum Bau einer Brücke, die jedoch auf den Widerstand von Berswordt-Wallrabes traf. Der Freiherr verlangte eine Entschädigung für die künftig wegfallenden Einnahmen aus dem Fährbetrieb. In zähen Verhandlungen kam es lange zu keiner Einigung. 1914 war man so weit, dass die Brücke beinahe Realität geworden wäre. Die Baupläne lagen bereits vor, als der Erste Weltkrieg das Vorhaben zunichte machte.

 

Erst 1925 konnte das Brückenprojekt wieder in Angriff genommen werden. Da Haus Kemnade seit 1921 der Stadt Bochum gehörte, hatten sich auch die Streitigkeiten mit dem Vorbesitzer erledigt. 1926 bis 1928 wurde eine moderne Brücke mit acht Bögen und 324 Metern Länge erbaut. Sie war hoch genug, dass sie auch bei Hochwasser benutzbar blieb und verfügte über eine Fahrbahn von 8,50 Meter sowie zwei Fußgängersteige von je 1,50 Meter Breite. Wie die Ansichtskarte von 1931 zeigt, gab es Masten für eine elektrische Beleuchtung. Diese sollten zugleich die Oberleitung für eine geplante Straßenbahnlinie tragen, die allerdings nie zustande kam. Stattdessen wurde 1931 eine Autobusverbindung eingerichtet.

Deutsche Truppen sprengen Brücke

Am 11. April 1945 – einen Tag nach der Befreiung Bochums durch die Amerikaner – sprengten deutsche Truppen auf dem Rückzug die Kemnader Brücke in die Luft, wobei vier Brückenbögen zerstört wurden. Fünf Jahre lang gab es dann wieder einen provisorischen Fährbetrieb; 1949 begann der Wiederaufbau "nach altem Vorbild". Die am 26. Mai 1950 eingeweihte jetzige Brücke fußt also in Teilen auf der Substanz ihrer Vorgängerin. Die Postkarte von 1963, die den Blick von der damaligen, am nördlichen Ruhrhang gelegenen Zeche "St. Barbara" zeigt, offenbart denn auch die große Ähnlichkeit beider Bauwerke.

 

Die Bedeutung von Kemnader Straße und -Brücke wuchs in der Nachkriegszeit zunächst stark an – auch als überörtliche Verkehrsader (Sprockhövel, Wuppertal). Erst mit dem Bau der A43 in den 1970er-Jahren gab es für Stiepel wieder eine deutliche Entlastung.

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