Gruß aus Bochum: Die Melanchthonkirche im Ehrenfeld

Teil 46

Im Jahr 1913 wurde an der Königsallee die evangelische Melanchthonkirche eingeweiht. Damit war sie einer der letzten Bochumer Kirchenneubauten vor dem Ersten Weltkrieg. Ihre Gründungsgeschichte reichte allerdings bereits neun Jahre zurück.

BOCHUM

von Von Frank Dengler

, 20.12.2010, 13:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

  Da erst 1903 die Petrikirche eingeweiht worden war, hielt sich das Interesse der „Alt-Wiemelhauser“ Protestanten an einer weiteren Kirche zunächst in Grenzen. 1906 kam es dann doch zur Gründung des „Kirchenbauvereins Rechenerfeld“. Es dauerte allerdings noch bis 1911, dass ein Wettbewerb ausgeschrieben wurde, zu dem 84 Entwürfe eingingen. Daraus gingen die Architekten Carl Krieger (1867-1957) und Jacob Hudlet (Düsseldorf / Essen) als Sieger hervor. Kurz vor Ablauf der von Erlemann gesetzten Frist erfolgte im Dezember 1911 der erste Spatenstich und am 2. November 1913 die Weihe.

Ursprünglich sollte der Name „Himmelfahrtskirche“ lauten, doch entschied man sich für Philipp Melanchthon - wohl in Ergänzung zur 1911 am Stadtpark errichteten Lutherkirche. Das Ensemble aus Kirche und Pfarrhaus setzte wichtige städtebauliche Akzente im damals noch in der Entwicklung begriffenen Umfeld. So bildete der hohe Turm eine Dominante an der Königsallee, und an der Ecke zur Friederikastraße wurde ein Vorplatz geschaffen. Carl Krieger hatte 1908-10 schon die Christuskirche in Velbert erbaut, mit der die Melanchthonkirche große Ähnlichkeiten aufweist. Hier wie dort griff Krieger auf Formen des „Bergischen Barock“ zurück (angereichert durch Jugendstil-Dekors). Dies wird besonders bei der mehrfach geschweiften, schiefergedeckten Turmhaube deutlich.

Auch das Pfarrhaus zeigt mit der Kombination von Schiefer und weißen Fenstern mit grünen Läden Stilelemente, wie sie im Bergischen Land üblich sind. Sie wurden einfach ins westfälische Bochum übertragen. Ein Vergleich der Postkarte von 1928 mit der heutigen Ansicht könnte nahe legen, die Melanchthonkirche habe sich unverändert erhalten. Tatsächlich erlitt sie jedoch im Mai 1943 schwere Kriegsschäden. Ohne Dächer, Fenster und Türen war sie mehrere Jahre ungeschützt, was innen zu Fäulnis und schließlich Einsturzgefahr führte. Erst 1948-50 erfolgte der Wiederaufbau, der außen in den alten Formen geschah, während der Innenraum stärker umorganisiert wurde.

Eine zweite Auflage Clemens Erlemanns bei der Schenkung des Grundstücks 1904 betraf das Erbbegräbnis der Familie von Schell, das an der Stelle des heutigen Pfarrhauses lag. Die Grabplatten, die sich ursprünglich an der Pauluskirche befunden hatten und deren älteste von 1662 datiert, waren 1812 auf den neuen Privatfriedhof versetzt worden und sollten erhalten bleiben. Sie wurden 1913 liegend neben der Kirche platziert und waren stark der Witterung ausgesetzt, wodurch sie zunehmend verfielen. Seit 2008 sind sie restauriert worden und haben eine geschütztere Aufstellung an der Kirchenwand gefunden. Dies brachte die Entfernung des Efeus von der Wand und die Fällung einer kranken Birke mit sich. Nun wirkt der Vorplatz sehr übersichtlich, jedoch auch etwas kahl. Vielleicht wäre die Pflanzung eines neuen Baumes keine schlechte Maßnahme für die Zukunft.