Gruß aus Bochum: Die verschwundene Insel

Teil 89

Die Große Beckstraße verläuft von der Bongardstraße bis zum Schwanenmarkt. Da sie ist eher schmal ist, erscheint ihr Name heute ein wenig verwunderlich. Vor dem Zweiten Weltkrieg besaß sie jedoch ein „kleines“ Gegenstück, das nicht mehr existiert.

BOCHUM

von Von Frank Dengler

, 27.09.2012, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Abbildung zeigt rechts die Kleine Beckstraße mit der Kapelle und einem Gebäude des St. Elisabeth-Hospitals. Hinter der Mauer im Vordergrund liegt der Kirchhügel der Propsteikirche. Das Gebäude an der Spitze der Häuserinsel mit den grünen Fensterläden war viele Jahre Sitz des Schumacherladens von Anton Köster. Auf der aktuellen Ansicht ist von all dem nichts wiederzuerkennen – lediglich der Hang des Kirchhügels vorne rechts gibt einen Anhaltspunkt. Die Große Beckstraße läuft nun geradlinig auf die Castroper Straße zu, während auf der Trasse der ehemaligen Kleinen Beckstraße ein Neubau mit Backsteinfassaden steht. Diesen errichtete der Bochumer Architekt Roman Reiser in den 1960er Jahren als Schwesternwohnheim.

Die zweite historische Karte – beide stammen aus der Sammlung Hansi Hungerige – gibt den Blick in die Kleine Beckstraße aus der Gegenperspektive wieder. Das rechts angeschnittene Gebäude am Kopf der Häuserinsel beherbergte vor dem Krieg die „Bochumer Blumenhalle“, dahinter ragt ein Teil des Propstei-Kirchturms empor. Am auffälligsten ist auf dem Foto die Herz-Jesu-Kapelle des Elisabeth-Hospitals. Sie wurde 1901 durch den Düsseldorfer Architekten Caspar Clemens Pickel (1847-1939) im neugotischen Stil erbaut. Besonders der Dachreiter zeigt reiche Verzierungen.Die Kapelle überragt die beiden älteren Häuser deutlich, und sie wirkt im Straßenbild so beeindruckend, dass es sich fast um eine eigenständige Gemeindekirche handeln könnte. Zusammen mit dem Großteil der Altstadt wurde auch die Herz-Jesu-Kapelle 1944 zerstört beziehungsweise schwer beschädigt.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Gebäuden ist sie bis 1950 wieder aufgebaut worden, wenn auch sehr reduziert: Sie ist nun niedriger als vor dem Krieg und erreicht nur noch die Höhe des ehemaligen Chores. Neugotischen Schmuckformen wurden aufgegeben, der Dachreiter durch ein schlichtes Exemplar ersetzt. Heute liegt die Kapelle ziemlich zugebaut im Hof des Krankenhauses, ist aber von der Großen Beckstraße aus gut zu erkennen. Sie ist (neben der Propsteikirche) das einzige auf den beiden historischen Karten abgebildete Bauwerk, von dem wenigstens noch Teile erhalten sind.