Gruß aus Bochum: Drahtwerke am Kaisersteg

Teil 102

Eine Ansichtskarte von 1914 mit der Aufschrift „Langendreer Drahtwerke“ zeigt das benannte Motiv eher im Hintergrund. Auf den ersten Blick dominiert eine Fußgängerbrücke über die Bahngleise – der so genannte „Kaisersteg“. Der „Kaisersteg“ war für etliche Jahrzehnte die kürzeste Verbindung zwischen dem Ortsteil „Alter Bahnhof“ und Werne.

BOCHUM

09.04.2013, 13:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf den Postkarten und in der lokalgeschichtlichen Literatur schwanken die Ortsangaben für die Drahtwerke zwischen Langendreer, Werne und „Langendreer-Werne“. Die Firma führte zwar Langendreer als Sitz im Briefkopf, wohl weil es der bekanntere Ort war, musste aber ihre Belegschaftszahlen an das Amt Werne melden. Tatsächlich lag nur der südliche Zipfel des Werksgeländes (in etwa dort, wo heute die Dönerfabrik ansässig ist) in Langendreer, der größere Teil jedoch auf Werner Gebiet.

 Das eigentliche Kartenmotiv von 1914 bilden jedoch die „Westfälischen Drahtwerke“, die zu jener Zeit den Höhepunkt ihrer Entwicklung erreicht hatten und zu den größten Arbeitgebern außerhalb des Bergbaus zählten. Allerdings hatte der Betrieb eine wechselhafte Geschichte. So musste ein erstes, um 1870 eröffnetes Puddel- und Walzwerk schon 1874/75 wieder schließen. 1881 erfolgte eine Neugründung und eine stärkere Ausrichtung der Produktpalette in Richtung Drahtwaren. Dazu gehörten unter anderem Drahtstifte, Stangen- und Stacheldraht. Auch diese Firma hatte ständig finanzielle Probleme, so dass erst mit der Gründung der Aktiengesellschaft „Westfälische Drahtwerke“ 1897 eine erfolgreiche Entwicklung einsetzte. Diese dauerte nur rund 20 Jahre, bis gegen Ende des Ersten Weltkriegs. Aus der Zeit stammt auch die 1919 gelaufene Karte, welche freundlicherweise von Peter Kracht zur Verfügung gestellt wurde. Sie gibt den Blick von Norden über einen Löschteich auf das Werk wieder.

Rechts ist die damalige Friedrichstraße zu sehen, die seit 1929 „Auf den Holln“ heißt. Einen Einblick in dieselbe Straße aus der Gegenrichtung gewährt die Karte von 1914 am linken Bildrand. Nach mehreren Besitzerwechseln erfolgte 1931 die Stilllegung der Drahtwerke. Acht Jahre lag das Gelände brach, bis es der Bochumer Verein 1939 als „Werk Langendreer“ übernahm. Nach Umbauten wurde in den Hallen eine reine Rüstungsproduktion (Bomben und Granaten) aufgenommen, bis immer stärkere Luftangriffe dem ein Ende setzten.Nach dem Zweiten Weltkrieg bezogen mittelständische Unternehmen das stark zerstörte Areal und richteten sich provisorisch ein. Die „merkwürdigste Fabrik“ wird in einem Heimatbuch von 1958 beschrieben: „die Hutschmuck- und Fantasiefedernfabrik. Die Firma liefert Federn nicht nur für den Damenhut, sondern für alle Zwecke, besonders für Theater und Karneval. Ein reiches Federlager enthält Federn aus aller Welt und von vielen Vögeln in einer leuchtenden Buntheit.“

 Während dies nur eine Episode war, gibt es ein Unternehmen, das seit 1957 ununterbrochen auf dem Gelände ansässig ist: Der Hersteller von Isoliermaterial und Dämmstoffen „Grünzweig & Hartmann“. Unter dem heutigen Namen G+H finden sich in Bochum Fertigungen für Metall- und Fassadentechnik.  Ein jüngeres Unternehmen, die „ADA Dönerproduktion“, nimmt seit 1998 den südlichen Teil des Geländes ein. Beim Vergleich des aktuellen Fotos mit der Karte von 1914 lässt sich die Mauer an der Bushaltestelle als die alte Begrenzung der Drahtwerke wieder erkennen. Der dahinter liegende lang gestreckte Bau mit den neuen Fenstern dürfte Reste der alten Hallen bergen, welche früher durch geschweifte Giebel auffielen. Somit kann das Gelände der ehemaligen Westfälischen Drahtwerke auf eine mehr als 140-jährige Geschichte als Gewerbegebiet zurück blicken – mit hoffentlich langer Fortsetzung.  

Auf den Postkarten und in der lokalgeschichtlichen Literatur schwanken die Ortsangaben für die Drahtwerke zwischen Langendreer, Werne und „Langendreer-Werne“. Die Firma führte zwar Langendreer als Sitz im Briefkopf, wohl weil es der bekanntere Ort war, musste aber ihre Belegschaftszahlen an das Amt Werne melden. Tatsächlich lag nur der südliche Zipfel des Werksgeländes (in etwa dort, wo heute die Dönerfabrik ansässig ist) in Langendreer, der größere Teil jedoch auf Werner Gebiet.

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