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Gruß aus Bochum: Ein Café für das Wiesental

Folge 184

Größtenteils in Weitmar, an der Grenze zum Ehrenfeld gelegen, zählt das Wiesental zu den beliebtesten unter den kleineren Bochumer Parkanlagen. Fast ein halbes Jahrhundert lang gab es dort auch das heute fast vergessene "Café Wiesengrund".

BOCHUM

von Frank Dengler

, 09.08.2016

Tatsächlich ist das Wiesental als Park noch relativ jung und hat sich erst im Laufe der Zeit entwickelt. Ursprünglich als „sumpfige Auenlandschaft“ beschrieben, vereinigen sich im Südteil der Talsenke drei Quellbäche des Marbachs, der von dort nach Norden Richtung Hamme fließt. In den 1920er-Jahren wurde er zum offenen Abwasserkanal umfunktioniert und nahm von Süden wohl unter anderem die Industrieabwässer von Werk Eickhoff und der Zeche Prinz Regent auf, während nördlich die Werke des Bochumer Vereins folgten. Zeitgleich mit dieser „Regulierung“ des Marbachs begann die Stadt, das Bachtal durch die Anlage von Wegen und eines Teiches zu erschließen.

Katastrophe im Oktober 1944

Obwohl das Wiesental noch kein ausgestalteter Park war, entstand an seinem Rand 1935 (nach anderen Angaben 1931) das Ausflugslokal „Café Wiesengrund“. Seine Geschichte haben Hans Joachim Kreppke und Bernd-Ulrich Lammers recherchiert. Die Betreiberin Jenny Flake (geboren 1901), später verheiratete Strassert, hatte oberhalb des Tals zwischen Erlenstraße und Graffring ein kleines Fachwerkhaus erworben und zum Lokal ausgebaut. Flake besaß eine Konzession zum Ausschank von Kaffee und alkoholfreien Getränken. Ein Versuch, die Lizenz auf Bier, Wein und Likör ausweiten zu lassen, scheiterte 1937. Trotzdem wurde das Café Wiesengrund ein beliebtes Ausflugsziel, wohl auch wegen seiner Nähe zur viel besuchten Radrennbahn.

Die Karte von 1939 zeigt den Blick über das damals noch nicht so dicht wie heute bepflanzte Tal mit dem Graffring im Hintergrund. Auf halber Höhe am Hang liegt das Café mit einem aufgeständerten Terrassen-Anbau auf der linken Seite. Unterhalb erstrecken sich zwei weitere Erdterrassen mit Sitzplätzen. Während des Zweiten Weltkriegs legte man unter dem Haus einen Luftschutzstollen für die Anwohner der Nachbarschaft an. Hier kam es am 9. Oktober 1944 zur Katastrophe: Bei einem Bombentreffer wurde das Haus zerstört, im Stollen verloren alle 37 Insassen ihr Leben. Unter den Toten waren auch Jenny Strassert sowie Frau und Kind ihres jüngeren Bruders Willy.

Wohnbebauung gewichen

Dieser überlebte den Krieg als Soldat und stellte nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1948 den Antrag, die Konzession seiner Schwester übernehmen zu dürfen. Bis 1949 war das Café provisorisch wiederhergestellt. Nachdem er 1950 auch die Erlaubnis zum Ausschank alkoholischer Getränke erhalten hatte, baute Willy Flake das Café Wiesengrund erheblich aus, wie an dem Neubau auf der Mehrbildkarte von 1962 zu erkennen ist.

Nach dem Krieg wurde das Wiesental durch weitere Wege und Bepflanzungen zum heutigen Park ausgestaltet; 1950 entstand dort das Freibad des Schwimmvereins „Blau-Weiß Bochum“. In damaligen Stadtplänen findet sich die blumige Bezeichnung „im schönsten Wiesengrunde“. Der Marbach floss indes noch in den 1960er-Jahren offen durch das Tal – ältere Anwohner erinnern sich an ihn als „Köttelbecke“ – und wurde erst später unter die Erde verlegt.

Trotz der Fertigstellung des Parks neigte sich die Ära des Café Wiesengrund langsam dem Ende zu. Ein Grund mag die Konkurrenz durch die Gaststätte des Freibades gewesen sein, ein anderer der allmähliche Niedergang der Radrennbahn. Willy Flake soll das Café bis Anfang der 80er-Jahre geführt haben, dann wurde es zugunsten einer neuen Wohnbebauung abgerissen. Als letzte Spur des früheren Ausflugslokals vermeint man oberhalb des Wiesentals, versteckt im Gebüsch, die beiden Erdterrassen erahnen zu können. 

- Der „Emscherumbau“ bis zum Jahr 2020 bezieht den Marbach als Emscherzufluss mit ein.
- So finden auch im Umfeld des Wiesentals (Friederikastraße) Baumaßnahmen statt.
- Anders als bei der Renaturierung in Hamme soll der Marbach dort wohl weiterhin unterirdisch fließen.

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