Gruß aus Bochum: Ein markantes Hochhaus

Teil 150

Vielen ist das markante Hochhaus am Ende der Alleestraße vor allem noch als „Krupphaus“ bekannt. Fast vergessen ist hingegen, dass es ursprünglich als Verwaltungssitz des Bochumer Vereins errichtet wurde.

BOCHUM

von Von Frank Dengler

, 24.02.2015, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die alte Hauptverwaltung des „Bochumer Vereins für Gußstahlfabrikation“ (BV) war mit Teilen der Produktionsstätten im Krieg zerstört worden. Danach galt die Priorität erst einmal dem Neuaufbau der Werksanlagen. Für die Verwaltung wurden wohl zunächst erhaltene Nebenstandorte wie am Höntroper Werk (Essener Straße) oder beim Werk Weitmar (ehemalige Westfälische Stahlwerke an der Kohlenstraße) genutzt. Erst Ende der 1950er Jahre ging der BV an die Planung eines neuen Hauptverwaltungsgebäudes. Der vorgesehene Standort an der Ecke von Allee- und Kohlenstraße lag zentral zwischen den vier Werken des BV.

Den Planungsauftrag erhielt der Essener Architekt Wilhelm Seidensticker, der bereits mehrmals in Bochum tätig gewesen war (siehe Folge 62). Er erfüllte den Wunsch nach einem modernen und repräsentativen Verwaltungsgebäude durch den Entwurf eines schlichten, aber eleganten Hochhauses mit 13 Geschossen und 46 Meter Höhe, das sich schon durch seine helle Farbgebung von den rußgeschwärzten Ziegelfassaden der umliegenden Werksanlagen und Wohnhäuser mehr als deutlich abhob.

Weithin sichtbare Chef-Etage

Der einer Nord-Süd-Achse folgende Stahlbeton-Skelettbau bildet eine lang gestreckte, schmale Scheibe (59 mal 14,5 Meter), die außen mit Naturstein verkleidet ist. Gemeinsam mit fast 800 Fenstern entsteht eine flächenbündige Außenhaut, die nur im zwölften Obergeschoss unterbrochen wird. Dort zeigt eine Loggia mit großformatigen Fenstern die Lage des ehemaligen Vorstands-Sitzungssaals an. So ist dem eigentlich hierarchielosen Gebäude schon von weitem anzusehen, wo sich die „Chefetage“ befand. Zwei niedrige Vorbauten flankieren das von Grünflächen umgebene Hochhaus: die Eingangshalle in Richtung Innenstadt und der frühere Speisesaal im Westen.

Eine Besonderheit stellte der Einsatz von Produkten des BV dar. Zu dessen „Spezialitäten“ zählte rostfreier Edelstahl, der unter anderem für die Fensterrahmen und die Verkleidung der Dachgesimse der Flachbauten verwendet wurde. Als die neue Hauptverwaltung 1964 eingeweiht wurde, war sie der letzte Neubau des BV, denn nur ein Jahr später wurde die Firma vom langjährigen Konkurrenten Krupp übernommen. Schrittweise schloss oder verkaufte Krupp drei der vier BV-Werke, das Hochhaus blieb jedoch mehrere Jahrzehnte Verwaltungssitz der Krupp AG.

Aufgegebener Standort

Nach der Fusion mit Thyssen prangte noch einige Zeit das neue Firmenlogo – die drei Krupp-Ringe im Thyssen-Bogen – an der zur Alleestraße gerichteten Schmalseite. Im Zuge weiterer Umstrukturierungen und des Neubaus der Konzernzentrale in Essen wurde der Standort Bochum ab 2006 schließlich aufgegeben. Es folgte der Verkauf an einen privaten Immobilienfonds, der vergeblich versuchte, das Hochhaus neu zu vermieten. Nach mehrjährigem Leerstand fand sich 2013 eine Zwischennutzung durch die Knappschaft Bahn-See. Weil deren Gebäude an der Königsallee, das ehemalige Bominhaus, durchgreifend saniert wird, sind 4800 Quadratmeter an der Alleestraße angemietet worden. Bis zum August 2015 sollen alle Abteilungen den etappenweisen Ortswechsel absolviert haben und in ihr Stammhaus zurückgekehrt sein.

Was anschließend aus der ehemaligen BV- und Krupp-Verwaltung wird – sie steht trotz ihrer architektonischen Bedeutung nicht unter Denkmalschutz – ist noch völlig unklar.  

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