Gruß aus Bochum: Entführung aus dem Rosengarten

Teil 88

Das zentrale Schmuckstück des Rosengartens im Stadtpark ist der „Jungmädchenbrunnen“. Seit 2007 ist er wieder in seiner ursprünglichen Form zu erleben, nachdem seine zuvor gestohlene Bronzefigur erneuert wurde.

BOCHUM

von Von Frank Dengler

, 11.09.2012, 18:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Ende in Richtung der heutigen Klinikstraße (damals Cäcilienstraße) befand sich eine begrünte runde Fläche mit einer Art Hochbeet auf einem Podest, das augenscheinlich mit Palmen bepflanzt war, wie die Karte von 1923 zeigt. Auf dem Foto ist außerdem eine doppelläufige, geschwungene Treppenanlage zu sehen. Dahinter erhebt sich das Gebäude des 1911 gegründeten St. Josef-Hospitals. Mit der Aufstellung eines neuen Brunnens, ungefähr an der Stelle des Hochbeets, ging 1926/27 eine größere Umgestaltung des Rosengartens einher. Der Brunnen, der auf der Ansichtskarte von 1934 näher abgebildet ist, hat ein Becken aus Muschelkalkstein, aus dessen Mitte ein Aufbau mit je zwei männlichen und weiblichen Köpfen herausragt und der von einer steinernen Kugel bekrönt wird. Vier bronzene Delfine, die als Wasserspeier fungieren, „stützen“ die Kugel, auf der sich als zentrale Skulptur eine nackte junge Frau erhebt, welche ebenfalls in Bronze gegossen ist. Schöpfer der Skulpturen war der Bildhauer Wilhelm Gerstel (1879-1963), der die Frauenfigur als „Schwebende“ bezeichnete – tatsächlich wirkt sie eher schreitend oder tanzend. 1926 war der Brunnen zunächst in Düsseldorf auf der „Großen Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen“ präsentiert worden.

Anschließend erwarb ihn die Stadt Bochum, um den Rosengarten damit zu verschönern. So beliebt der Brunnen in der Folge auch wurde, scheint er nie offiziell benannt worden zu sein. Am bekanntesten ist er als „Jungmädchenbrunnen“, auch der Name „Fortuna-Brunnen“ taucht ab und zu auf, während er auf der Postkarte nur als Zierbrunnen bezeichnet ist. Nach seiner Aufstellung überstand der Brunnen die folgenden sieben Jahrzehnte unbeschadet, bis die Bronzefiguren Mitte der 1990er Jahre von Unbekannten gestohlen wurden. Es blieb nur der steinerne Torso zurück – ein trauriger Anblick, der erst 2007 wieder behoben werden konnte. Dies war einerseits privaten Spendern zu verdanken (der „Kemnader Kreis“ trug die Kosten von 8000 Euro), andererseits der Hilfe aus Cottbus.

Dort gibt es ein Gegenstück zum Bochumer Brunnen, den nach seinem Stifter benannten „Enke-Brunnen“. In Bochum wusste man bis 2006 nichts von der Existenz des „Zwillings“. Umso dankbarer wurden die Meldung aus Cottbus und das Angebot, Abgüsse von den Brunnenskulpturen machen zu dürfen, angenommen. Im Herbst 2007 erfolgte die Neueinweihung des wiederhergestellten Brunnens im Rosengarten.Seitdem ist die Hauptfigur mit dickeren Bolzen unter der neuen Halbschale befestigt – als Diebstahlsicherung. Übrigens konnte die „Entführung“ der ursprünglichen Aktskulptur nie aufgeklärt werden. So bleibt ungewiss, ob sie von Metalldieben entwendet wurde oder gar bis heute die Sammlung eines besonders egoistischen „Kunstfreundes“ ziert.

Außer den Brunnenskulpturen sind im Laufe der Zeit weitere Kunstwerke im Stadtpark abhanden gekommen. So wurde 1995 die Bronzeplastik eines Frosches von der Brücke am Gondelteich gestohlen und erst 2005 durch einen Neuguss ersetzt. Eine viel ältere Schiller-Büste ist schon so lange verschwunden, dass ihr ehemaliger Standort heute nicht mehr zweifelsfrei bekannt ist. Aus dem Bismarckturm wurde nach dem Krieg eine überlebensgroße Büste des Reichskanzlers entfernt – in diesem Fall wohl aus politischen Gründen.