Gruß aus Bochum: „Freizeitzentrum“ Beckmannshof

Teil 154

Südlich der Wattenscheider Innenstadt liegt zwischen der Berliner Straße und „An der Papenburg“ ein ausgedehntes begrüntes Gelände mit einem Hotel in der Mitte. Dass hier 1927 eines der größten Freizeitzentren des Ruhrgebiets angelegt wurde, ist heute nur noch teilweise erkennbar.

WATTENSCHEID

von Frank Dengler

, 29.04.2015, 06:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Areal gehörte zum historischen Beckmannshof und erstreckte sich nach Westen bis zur Steeler Straße (seit 1966 Berliner Str.), reichte im Süden fast bis zur jetzigen A40 und nördlich bis zur Propst-Hellmich-Promenade, die vor 90 Jahren gerade erst als neue Straße projektiert war. Auf dem bis dahin landwirtschaftlich genutzten Gelände plante der Gutsbesitzer Karl Beckmann eine Sportanlage, die in dieser Größe „im mittleren Industriegebiet zur Zeit kaum anzutreffen ist“, wie die Wattenscheider Zeitung am 19. Mai 1927 berichtete. Hinter dem Projektnamen „Stadion Beckmannshof“ steckte nicht nur ein einfaches Sportstadion, vielmehr gab es drei Hauptelemente: einen Sportplatz mit Fußballstadion, einen Gondelteich und ein Schwimmbad.

Der am 22. Juni 1927 eingeweihte Teich nahm gut ein Drittel der Gesamtfläche ein. Er verfügte über eine Insel, zwei Anlegestellen für die Boote, die dort gemietet werden konnten und war von einem begrünten Promenadenweg umgeben. Westlich davon legte man den Sportplatz an, dessen Herzstück das Stadion für „Fußball-Großkämpfe“ mit 400-Meter-Aschebahn bildete. Terrassenförmige, mit Bäumen bepflanzte Erdwälle dienten als Tribünen mit Steh- und Sitzplätzen für 15-20.000 Personen. Am Rand des Platzes waren weitere Sportanlagen wie Wurf- und Sprungbahnen sowie Turn- und Tennisplätze angeordnet.

Gondelteich

Gut einen Monat nach dem Gondelteich wurde das Schwimmbad eröffnet. Es war über ein Eingangsgebäude erreichbar, das im Obergeschoss ein Café mit Ausblick auf alle Sportanlagen enthielt. Nach Süden erstreckten sich das 525 m² große Nichtschwimmer- und das doppelt so große Schwimmerbecken mit Sprungturm, dahinter folgte ein riesiges Planschbecken für Kinder. Sie waren vom „Licht- und Luftbad“ umgeben, das man heute schlichter als Liegewiese bezeichnen würde. Ungewöhnlicherweise wurden die Schwimmbecken durch bis zu 26 Grad warmes, salzhaltiges Wasser gespeist, das von der Zeche „Fröhliche Morgensonne“ stammte - sozusagen „Sole aus der Sohle“! In der Mitte der Gesamtanlage sollten Gartenterrasse, Kinderspielplatz und Musikpavillon das familienfreundliche Angebot ergänzen. Später kam südlich des Freibades noch ein Schießstand hinzu.

Nach der Eröffnung erfreuten sich die Sport- und Freizeitanlagen sofort großer Beliebtheit. Im Laufe der Jahrzehnte wurden die meisten davon allerdings aufgegeben. So legte man den Gondelteich 1949 trocken und machte die Fläche zum Rübenacker. Heute befindet sich dort eine Wiese. Während das Stadion an der Berliner Straße zunächst eine Ergänzung durch eine moderne Dreifachsporthalle mit Lehrschwimmbecken und einen Kunstrasenplatz erfuhr (heute unter der Obhut des Sport- und Bäderamtes), wurde der Schießstand 1974 geschlossen. Seit 2014 ist auch das alte Stadion endgültig „außer Betrieb“. Nur die Tennisplätze werden noch vom „TC Rot-Weiß Wattenscheid 1949“ genutzt.

Nachkriegszeit

Das Freibad war auch in der Nachkriegszeit gut besucht, musste jedoch 1965 nach der Stilllegung der Zeche Fröhliche Morgensonne schließen. Schon zuvor war mit der Umwandlung des Eingangsgebäudes in ein Hotel begonnen worden. Heute ist es das „Hotel-Restaurant Beckmannshof“ und wird seit 2001 von der Familie Mucha betrieben. Aus den beiden früheren Schwimmbecken wurden Teiche, in denen sich nun Fische tummeln. Sogar die ehemaligen Startblöcke sind an der Hotelterrasse noch erhalten.

Das Stadion am Beckmannshof diente auch der SG Wattenscheid 09 längere Zeit als Spielstätte. Schon 1919 nutzte der „Ballspielverein 09“ einen Vorgängerplatz an der Südstraße (seit 1926 An der Papenburg). Im neuen Stadion spielte die SG 1927-34 und erneut ab 1945, erst 1965 zog der Verein in das Lohrheidestadion um.