Gruß aus Bochum: Gartenrestaurant Horkenstein

Teil 70

Auf den Ruhrhöhen südöstlich des Dahlhauser Ortskerns lag bis vor 50 Jahren die „Burg Horkenstein“. Doch anders als man annehmen könnte, handelte es sich nicht um eine Burganlage, sondern um ein Ausflugslokal.

BOCHUM

von Von Frank Dengler

, 15.12.2011 / Lesedauer: 3 min

Sein Gründer war der Gastwirt Carl Wilhelm Stammen, der auf einem Plateau oberhalb des Ruhrwehrs einen imposanten Neubau errichten ließ. Bei der Eröffnung im Jahr 1900 erhielt das Lokal in Erinnerung an einen sagenumwobenen Felsen die Bezeichnung „Burg Horkenstein“.

Tatsächlich ähnelte das Gebäude mit seinem hohen Turm einer mittelalterlichen Burg. Verstärkt wurde dieser Eindruck durch die Mauern der Gartenterrassen, die wie die Bastionen aussahen und mit Zinnen verziert waren. Auf der Burg Horkenstein gab es auch einen großen Festsaal, der bis zu 1000 Personen gefasst haben soll – es war der größte Saal in Dahlhausen und Linden, weshalb er oft von Vereinen, Kirchengemeinden oder Parteien für Veranstaltungen gemietet wurde. Stammen verkaufte seinen Besitz 1909 an den Bauunternehmer Mathias Hox, der die Gaststätte bedeutend erweiterte. Neben der Burg entstand ein größeres Gebäude, welches als „Kurhaus“ bezeichnet wurde, aber nie diesem Zweck diente. Außerdem gründete Hox eine neue Schankwirtschaft an der Ruhrstraße (seit 1929 Lewackerstraße), die „Eselstation“. Hier konnten die Gäste – ähnlich wie beim Drachenfels am Rhein – mit Eseln vom Ruhrtal zum Horkenstein hinauf reiten. Diesen Zustand des Gebäudeensembles zeigt die Ansichtskarte von 1918 aus der Sammlung von Hansi Hungerige. Über der Ruhr thront die Burg mit dem Aussichtsturm, rechts daneben liegt das Kurhaus, und am Berghang ist der Eselspfad erkennbar.

Obwohl das Gartenrestaurant ein beliebtes und gut besuchtes Ausflugsziel war, wurde es mehrmals verkauft, bis es 1925 der „Gewerkenverein christlicher Bergarbeiter Deutschlands“ erwarb und die Gaststätte verpachtete. 1933 beschlagnahmten die Nationalsozialisten den Besitz für verschiedene Parteiorganisationen. Seitdem war das Gelände für die Öffentlichkeit geschlossen. Nach 1945 ist der Horkenstein von katholischen karitativen Einrichtungen genutzt worden. Eine Gastronomie scheint es dort nicht wieder gegeben zu haben, außer vielleicht während einiger Jahre, in denen er als Ledigenwohnheim der benachbarten Zeche Dahlhauser Tiefbau diente. Schließlich kaufte die Stadt Bochum die Gebäude, um dort ein Obdachlosenasyl einzurichten. Aus der Nachkriegszeit stammt auch die zweite Karte. Seit 1918 hatte es an der Burg einige Umbauten gegeben, so wirken die Dächer schlichter, und der Turm hat sein Obergeschoss eingebüßt. Links am Hang liegt der Kirchturm der Lutherkirche und am Ruhrufer die damalige Fluss-Badeanstalt.

Um 1960 bis 1962 wurde das ehemalige Ausflugslokal abgebrochen, einzig das Kurhaus blieb erhalten, wie auf der aktuellen Ansicht zu erkennen ist. Unten im Tal liegen immer noch die Bauten des vor Jahrzehnten geschlossenen Strandbads. Heute befinden sich dort Vereinsheime und Gaststätten. Dagegen ist das Gebäude der früheren Eselstation 2001 ausgebrannt und nicht mehr vorhanden. Allerdings führt der alte Eselspfad als leicht verwilderter Weg bis heute hinauf zum Plateau. Dort oben ist die Aussicht ins Ruhrtal mittlerweile ziemlich zugewachsen, aber im Winter noch erlebbar. Von der Burg sind einzig die bastionsartigen Terrassen erhalten. Sie haben vor einigen Jahren bei einer Sanierung ihre Zinnen verloren. Das Kurhaus diente bis vor kurzem als Wohnhaus, steht aber jetzt leer. Es wirkt nach wie vor stattlich, doch ist es dem Verfall preisgegeben. So steht zu befürchten, dass auch dieses mehr als 100 Jahre alte Zeugnis der Dahlhauser und Bochumer Geschichte verschwindet.