Gruß aus Bochum: Harpener Moderne

Teil 117

Der Stadtteil Harpen kann auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken: mit dem Bockholt, dem Harpener Hellweg und vor allem der Vinzentiuskirche besitzt der Stadtteil wertvolle historische Zeugnisse. Doch dieses Erbe lag nicht im Fokus der Gestalter einer gut 40 Jahre alten Ansichtskarte.

BOCHUM

von Von Frank Dengler

, 27.11.2013, 14:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

So zeigen vier der fünf Fotos auf der Postkarte die noch frischen Errungenschaften von Harpen: das Einkaufszentrum Ruhrpark, die Schule an der Maischützenstraße (zunächst Volks-, ab 1969 Haupt- und Grundschule) und das Nordbad, die alle im Jahr 1964 eröffnet worden waren, außerdem das neue Kirchharpener „Zentrum“ mit Hochhaus und Sparkasse an der Ecke von Harpener Hellweg und Maischützenstraße. Die Karte präsentiert Harpen als betont modernen, eher städtisch geprägten Vorort. Die meisten Motive lassen sich gut 40 Jahre später ganz ähnlich fotografieren, so sind am Hochhaus und der Sparkasse lediglich die Bäume deutlich größer geworden.Hallenbad total verändert Die Maischützenschule hat zwischenzeitlich verschiedene Schulformen beherbergt. Heute ist sie ist eine Gemeinschaftsgrundschule, und ihre Gebäude weisen nun niedrige Walmdächer an Stelle der ursprünglichen Flachdächer auf. Ein Objekt hat sich allerdings total verändert, nämlich das „Nordbad“, das auf der Karte unten in der Mitte abgebildet ist. 1964 als kombiniertes Hallen- und Freibad eröffnet, erfreute es sich eigentlich großer Beliebtheit. Doch keine 25 Jahre später schloss die Stadt das Hallenbad 1988 wieder im Zuge von Einsparungsmaßnahmen.

Dagegen blieb die nun „Freibad Rosenberg“ genannte restliche Anlage weiter in Betrieb. 2003 wurde auch das Freibad endgültig stillgelegt, weil es marode und eine Sanierung zu teuer sei. Als sich 2002 im Zuge der Diskussion um die Zukunft des Bades herausstellte, dass in den 14 Jahren seit 1988 die für das Freibad bereitstehende Kostenpauschale niemals abgerufen worden war, kam der Vorwurf auf, die Stadt habe das Bad „kaputt gespart“. Immerhin waren 700.000 DM „liegen geblieben“, die der laufenden Instandhaltung des Bades hätten dienen sollen.

In den folgenden Jahren verfielen die Bauten des ehemaligen Nordbades zunehmend; im Winter 2008/09 erfolgte dann der Abriss. Verschiedene Pläne zur Reaktivierung des Areals als Naturbad, Freizeitanlage oder Hotelstandort zerschlugen sich. Mittlerweile wird die Brache immer mehr von der Natur erobert. Noch erkennbare Freiflächen wechseln sich hier mit jungen Wäldchen ab. Das Gelände wirkt wie ein verwilderter, verwunschener Garten und ist nicht ohne Reiz, wobei das ständige Rauschen der unmittelbar angrenzenden, aber kaum sichtbaren A43 einen beinahe surrealen akustischen Hintergrund bildet.

Hier ist auch eine besondere Entdeckung zu machen: mitten in der neuen Wildnis findet sich ein riesiger, tonnenschwerer Findling. Es handelt sich um den Stein, der auf der Postkarte in der Mitte eines runden Planschbeckens zu sehen ist. Wohl aufgrund seines Gewichts ließ man ihn beim Abbruch des Bades einfach an Ort und Stelle. In völlig veränderter Umgebung bildet er nun den letzten Rest des früheren Nordbades. 

Schlagworte: