Gruß aus Bochum: Langendreer hat sich rasant entwickelt

Teil 124

Wie viele Bochumer Vororte vergrößerte sich Langendreer mit seinen Ortsteilen von circa 1860 bis zum Ersten Weltkrieg rasant. Neben zahlreichen Wohnhäusern und Straßen bedurfte es damit auch neuer öffentlicher Einrichtungen wie Verwaltungsgebäude, Schulen und Kirchen.

LANGENDREER

von Von Frank Dengler

, 12.03.2014, 11:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gerhard August Fischer war einer der bedeutendsten Kirchenbaumeister. Er war zwischen 1866 und 1906 an etwa 70 evangelischen und katholischen Gotteshäusern in Rheinland und Westfalen tätig. Für Bochum plante er acht Neubauten oder Erweiterungen, so an der Vinzentiuskirche in Harpen, der evangelischen Kirche in Werne, der Marienkirche, Liebfrauen in Linden und Gertrudis in Wattenscheid. Zeitgleich mit der Lutherkirche entstand die Pauluskirche in Langendreerholz, die Fischer ebenfalls gemeinsam mit seinem Sohn Richard geplant hatte.

Ohne Maiweg wäre 1904-05 wohl auch die Lutherkirche nicht entstanden, denn er stiftete der Gemeinde das Grundstück. Da er zugleich den Bauauftrag für die Kirche bekam, dürfte Maiweg trotzdem kein schlechtes Geschäft gemacht haben. Der Entwurf stammte von dem renommierten Architekten Gerhard August Fischer (1833-1906) und dessen Sohn Richard Fischer-Ludvigsen (1870-1928). Auf dem Foto ist von der neugotischen Kirche hauptsächlich der schlanke, 70 Meter hohe Turm mit seinem Helmaufsatz zu erkennen.Die auf der Karte genannte Schulstraße lag außerhalb des Bildes links des historistischen Wohnhauses mit dem Fachwerk-Obergeschoss. Seit der Eingemeindung Langendreers 1929 heißt sie Lünsender Straße, doch davor gab sie einen Hinweis auf das niedrigere Gebäude in der Bildmitte: die damalige „Kaiserschule“. Ob diese um 1900 nach dem deutschen Kaiser oder der vor den Gebäuden entlanglaufenden Kaiserstraße (seit 1947 Alte Bahnhofstraße) benannt wurde, lässt sich heute nicht mehr sagen. Gegründet wurde sie jedoch schon 1875 als zweiklassige Volksschule; 1877 hatte sie bereits vier Klassen.

Die Postkarte zeigt noch nicht den Erweiterungsbau von 1910, der im hinteren Teil des Grundstücks neben der Kirche errichtet wurde. Schon 1900 war die Schule auf 573 Schüler angewachsen, so dass eine Vergrößerung dringend nötig geworden war. Sie erhielt gleich zehn neue Klassenräume und weitere Einrichtungen (Brausebäder, Kochschule), so dass der bescheidene Altbau an der Straßenseite zu einem „Anhängsel“ des neuen Hauptgebäudes wurde. Nach 1945 änderte die Kaiserschule mehrmals ihren Namen und die Schulform. Aus der „Volksschule Bochum-Langendreer“ wurde die „Evangelische Volksschule am Volkspark“ (der Park grenzt östlich an die Grundstücke von Schule und Kirche) und um 1969 die „Städtische Gemeinschaftsgrundschule Alte Bahnhofstraße“. Als offene Ganztagsschule ist die jetzige „Grundschule Am Volkspark“ bis heute ein wichtiger Bestandteil des Schulangebots in Langendreer.

Der Unterricht findet im „Neubau“ von 1910 statt, während der Altbau von 1876 nicht mehr schulisch genutzt wird, sondern nun verschiedene Einrichtungen des Jugendamts beherbergt. An der Lutherkirche wurden Schäden des Zweiten Weltkriegs – Dach und Gewölbe waren zerstört – relativ rasch behoben und das Gebäude annähernd in der ursprünglichen Form wieder hergestellt. Das Innere der Kirche hat zwar den Schmuck der Erbauungszeit verloren, doch auch die qualitätsvolle Neuausmalung von 1950 durch Heinrich Rüter (1877-1955) gilt bis heute als sehenswert.  

Gerhard August Fischer war einer der bedeutendsten Kirchenbaumeister. Er war zwischen 1866 und 1906 an etwa 70 evangelischen und katholischen Gotteshäusern in Rheinland und Westfalen tätig. Für Bochum plante er acht Neubauten oder Erweiterungen, so an der Vinzentiuskirche in Harpen, der evangelischen Kirche in Werne, der Marienkirche, Liebfrauen in Linden und Gertrudis in Wattenscheid. Zeitgleich mit der Lutherkirche entstand die Pauluskirche in Langendreerholz, die Fischer ebenfalls gemeinsam mit seinem Sohn Richard geplant hatte.

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