Gruß aus Bochum: Öl mit vielen Namen

Teil 62

Das aktuelle Verwaltungsgebäude von BP/ARAL an der Wittener Straße besteht erst seit wenigen Jahren. Tatsächlich hat der Standort aber eine sehr viel längere Tradition, da hier mehrere Vorgänger residierten. Einiges davon ist noch erhalten, anderes verschwunden.

BOCHUM

von Von Frank Dengler

, 10.08.2011, 10:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 1938 war eine Erweiterung der Verwaltung geplant, doch der Zweite Weltkrieg verhinderte die Ausführung. Der ursprünglich beauftragte Architekt Wilhelm Seidensticker entwarf das Gebäude nach 1945 unter geänderten Vorzeichen noch einmal. Unter anderem waren Teile des schwer beschädigten Schmiedeknecht-Baus zu integrieren. Der neue BV-Sitz wurde 1949-52 als erster Bochumer Büroneubau nach dem Krieg errichtet. Näher an der Wittener Straße gelegen, avancierte die neue Verwaltung bald zum Motiv verschiedener Postkarten und zu einem Vorbild für die folgende moderne Architektur in Bochum. Es handelte sich um das erste Gebäude mit sichtbar belassenem Stahlbeton-Skelett, woraus das regelmäßige Raster der Fassaden resultierte. Konstruktion und äußere Form entsprachen sich und bildeten so eine „ehrliche“ Einheit. Auf der Rückseite schloss sich ein erhalten gebliebener Flügel des Schmiedeknecht-Baus an.

20 Jahre später (der Name der Firma lautete inzwischen ARAL AG) war eine Vergrößerung der Verwaltung nötig. Diese realisierte das Büro von Gerkan und Marg 1974/75 in Richtung Akademiestraße. Der Erweiterungsbau unterschied sich deutlich von Seidenstickers Architektur: Statt eines Rasters erhielt er eine Vorhangfassade aus bronzefarbigem Aluminium und verspiegeltem Glas über dem zurückgesetzten Erdgeschoss. Außen herrscht nicht allein der rechte Winkel vor, sondern es finden sich auch polygonale Elemente. Nach der Übernahme von ARAL durch BP (2002) erfolgte der Beschluss, die Deutschland-Zentrale von BP in Bochum anzusiedeln. Die alte und eigentlich denkmalwerte ARAL-Verwaltung von 1952 wurde leider abgebrochen. Bis 2006 entstand nach Plänen der Architekten Bothe-Richter-Teherani allerdings ein wirklich gelungener und repräsentativer Neubau an der Wittener Straße. Er verfügt über mehr als 20.000 Quadratmeter Nutzfläche und erfüllt modernste Umweltstandards – zumindest bei Bauten hält BP sie ein.

Innerhalb des BP-Konzerns gibt es den Markennamen ARAL für Deutschland weiterhin, und auch von den älteren ARAL-Gebäuden sind nicht alle verschwunden. So hat sich hinter dem Neubau der alte Flügel von 1926 erhalten, den schon Seidensticker integriert hatte. Auch die Erweiterung von 1974/75 existiert noch, wird jedoch nicht mehr von BP/ARAL genutzt. Hier hat heute das Zentrum für Stadtgeschichte seinen Sitz. An der Fassade prangt immer noch ein ARAL-Logo, das sozusagen Teil der Sammlung des Stadtarchivs wurde.