Gruß aus Bochum: Redemptoristen-Reste

Teil 86

Als sich unsere Ansichtskarten-Serie im Frühjahr 2009 dem Imbuschplatz widmete, war die Auflösung des dortigen Redemptoristen-Klosters noch nicht beschlossen (siehe Folge 5 im Internet). Auch der jüngst erfolgte Abbruch von Kloster und Kirche Maria Hilf war damals noch nicht abzusehen.

BOCHUM

von Von Frank Dengler

, 14.08.2012, 14:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf dem Ausschnitt einer um 1910 gedruckten Karte ist das Äußere zu sehen. Besonders interessant ist eine farbige Vorkriegs-Ansicht des Kirchenraums. Sie lässt die reiche Ausstattung der neoromanischen Pfeilerbasilika erkennen, darunter vielfältige Wandmalereien in Kirchenschiff, Apsis und Kreuzgratgewölben. Im Zweiten Weltkrieg brannten Kloster und Kirche 1943 vollständig aus. Der Wiederaufbau durch Kurt-Hubert Vieth und Günter Settnik geschah in sehr reduzierten Formen ohne Seitentürmchen oder anderen Bauschmuck. Der Kirchturm erhielt statt des oktogonalen Aufsatzes mit Spitzhelm einen quadratischen Aufbau mit stumpfem Zeltdach. Ende 1951 konnte die Kirche wieder eingeweiht werden. Ein Dokument dieser Zeit ist die schwarz-weiße Ansichtkarte, die das wieder hergestellte Innere der Klosterkirche zeigt. Die einfach verputzten Kirchenschiffe weisen keine Spuren der früheren Ausmalung mehr auf, die zerstörten Gewölbe wurden durch eine hölzerne Flachdecke ersetzt. Dennoch wirkt der nüchterne Kirchenraum auf dem Foto beeindruckend, nicht zuletzt durch den mehrstufigen Altar mit hohem Baldachin. Dieser sollte allerdings nur wenige Jahre Bestand haben und 1956 durch ein schlichteres Exemplar abgelöst werden.

Das nach dem Krieg wieder erblühte Kloster hatte bis in die 1970er und 80er Jahre um die 30 Mitglieder. Aufgrund zunehmender Nachwuchsprobleme sank die Zahl jedoch bis 2009 auf nur noch neun im Alter zwischen 60 und 90 Jahren. Deshalb beschloss die Kongregation 2010 die Auflösung des Klosters zum Januar 2011. Die letzten Bewohner zogen in Niederlassungen nach Kirchhellen und Köln.Nach dem Verkauf von Kloster und Kirche an das St. Johannesstift und das St. Vinzenzheim erfolgte bis Anfang August der Abbruch fast des gesamten alten Gebäudebestandes. Im Jahr 2014 soll auf dem Grundstück ein Altenpflegeheim eröffnet werden, das über 89 Plätze verfügt. Die vielfach gewünschte Integration des alten Kirchturms in den Neubau wäre laut Gutachten aus statischen Gründen nicht möglich gewesen. Lediglich die Reste einer Seitenkapelle werden bewahrt, ebenso der Klostergarten mit seinem alten Baumbestand, welcher dem Pflegeheim seinen Namen geben wird und in Zukunft öffentlich zugänglich sein soll.

Darüber hinaus haben Teile des Inventars neue Verwendung gefunden: Die Glocken gingen an eine Gemeinde in Polen, die Orgel an die St. Franziskus-Gemeinde in Weitmar und einige Kirchenfenster an die Redemptoristen in Köln und Mönchengladbach. Weitere der alten Fenster sollen in einem Verbindungsgang der „Klostergärten“ wieder eingesetzt werden. Somit bleiben einige Ausstattungstücke aus Maria Hilf erhalten. Als sichtbare Bauwerke und Dokumente der Stadtgeschichte sind Kirche und Kloster nun jedoch Vergangenheit.