Gruß aus Bochum: Schiller-Denkmal verschwunden

Folge 181

Im Laufe seiner fast 140-jährigen Geschichte erfuhr der Stadtpark viele Veränderungen. Neben Erweiterungen und der Aufstellung von neuen Kunstwerken sind ältere Gestaltungselemente zurückgebaut worden oder schlicht und einfach „verschwunden“. Eines dieser verlorenen Denkmäler war die Schiller-Büste.

MITTE

von Von Frank Dengler

, 27.05.2015, 14:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Ansichtskarte aus dem Jahr 1908 zeigt das Schillerdenkmal in der Mitte eines schattigen, von Bänken umgebenen kleinen Platzes, hinter dem das Gelände abfällt. Konkrete Hinweise zum genauen Standort im Stadtpark lassen sich hier nicht finden. Um 2000 war nur noch bekannt, dass es vor dem Krieg ein solches Denkmal im Park gegeben und es sich um eine Portaitbüste des Dichters gehandelt hatte.

Eberhard Brand, langjähriger Vorsitzender der Kortumgesellschaft und ausgewiesener Kenner der Stadtpark-Geschichte, schrieb damals in den „Bochumer Zeitpunkten“: „Wann und wo sie durch wen aufgestellt, wann und warum sie wieder entfernt wurde und wer ihr Schöpfer war, ist nicht bekannt.“

Weißer Marmor

Durch weitere Recherchen gelang es Brand jedoch, seitdem etwas mehr Licht in die Angelegenheit zu bringen. So fand er heraus, dass die Büste anlässlich des 100. Todestages Friedrich Schillers im Jahr 1905 durch den Bergrat Ludwig gestiftet worden ist. Der mehr als zwei Meter hohe Sockel bestand aus Oberkirchener Sandstein, die Büste selbst wahrscheinlich aus weißem Marmor.

Als Vorlagen lassen sich die Schiller-Büsten des klassizistischen Bildhauers Johann Heinrich von Dannecker (1758-1841) feststellen. Der Künstler war persönlich mit Schiller bekannt und schuf mehrfach Portraitbüsten des Dichters, die anschließend sozusagen allgemeingültig wurden. Durch tausendfache Kopien fanden sie weite Verbreitung. Somit war das Bochumer Exemplar kein seltenes Einzelwerk, sondern eher eine Kopie „von der Stange“. Eventuell könnte sie auch auf die Version einer Dannecker-Büste von Theodor Wagner (1800-1880) zurückgehen. Wagner gestaltete in enger Anlehnung an das Original eine Variante, bei der Schillers Gesichtszüge etwas glatter und markanter, in gewisser Weise idealisierter wirken.

Auch der ehemalige Standort des Denkmals ist mittlerweile bekannt, denn Eberhard Brand fand eine historische Postkarte, die es aus anderer Perspektive zeigt. Auf dem Foto sind im Hintergrund einige Häuser zu erkennen, die sich im Vergleich mit anderen Karten identifizieren lassen. Es handelt sich um die Nordostecke und die Nordseite des Kaiserrings (seit 1947 Am Alten Stadtpark).

Weitere Recherchen ergaben, dass sich auf dem Denkmalsplatz schon seit 1879 eine Büste Kaiser Wilhelms I. befunden hatte. Sie war aus bemaltem Ton und soll künstlerisch nicht besonders gelungen gewesen sein, wie kritische Zeitgenossen anmerkten. Nach der Einweihung des ungleich aufwendigeren Kaiser-Wilhelm-Denkmals im Oktober 1904 (siehe Folge 72 unserer Serie im Internet) wurde sie entfernt und wenig später die Schiller-Büste errichtet. Außerdem pflanzte man dort eine „Schiller-Linde“.

Unklarheit

Während die Entstehung und der Standort des Schillerdenkmals heute geklärt sind, liegen die Umstände und der Zeitpunkt seines Verschwindens weiter im Dunkeln. In den Bochumer Zeitungen fand es im Jahr 1930 letztmals Erwähnung. Ob es danach abgebaut, gestohlen oder ein Opfer der Wirren des Kriegendes wurde, ist bislang unbekannt.

Der ehemalige Denkmalsplatz ist ebenfalls nicht mehr erhalten. An seiner Stelle liegt heute ein großes und fast undurchdringliches immergrünes Gebüsch, in dessen Inneren das Plateau oberhalb des abfallenden Geländes noch erkennbar ist. Von seinem Rand lässt sich im Winter auch noch die Blickbeziehung zur Bebauung „Am Alten Stadtpark“ (Kaiserring) nachvollziehen. 

Am Weg zwischen Parkhaus und Bismarckturm findet sich noch heute ein der Schiller-Büste vergleichbares Denkmal. Die dortige Büste des „Turnvaters“ Jahn wurde 1883 durch den Bildhauer Wilhelm Gardy geschaffen. Sie ist damit das älteste in Bochum erhaltene Denkmal für eine bekannte Persönlichkeit im öffentlichen Raum.