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Gruß aus Bochum: Stiepeler Höhenrücken wurde neu entdeckt

Teil 131

Noch vor 100 Jahren war der Henkenberg, der sich im Südwesten von Stiepel oberhalb der Brockhauser und östlich der Kosterstraße erstreckt, in Bochum nahezu unbekannt. Bis 1920 trug er noch nicht einmal einen Namen, dann jedoch wurde er bei Ausflüglern immer populärer.

STIEPEL

von Von Frank Dengler

, 25.06.2014

Seine eigentliche „Entdeckung“ war der Bochumer Abteilung des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV) zu verdanken. Der Verein wurde zuerst auf die hervorragende Fernsicht aufmerksam, die sich von dem in Privatbesitz befindlichen Höhenrücken bot und die zu den schönsten im ganzen Ruhrtal zählte. Heute dicht bewaldet, trug der Berg damals nur vereinzelt Bäume und war von Heideflächen gekennzeichnet, auf denen Schafe und Ziegen weideten. Der SGV gab dem „Henkenberg“ nun seinen Namen nach dem unterhalb im Ruhrtal gelegenen Henkenhof dem und machte ihn ab 1920 durch öffentliche Wanderungen bekannt; Ruhebänke und eine Schutzhalle wurden installiert. Die Stadt Bochum konnte 1921 zum Erwerb des Berges bewogen werden, und bis 1924 war mit der Aufforstung einiger Heidestücke begonnen worden. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Henkenberg bereits zum beliebten Ausflugsziel entwickelt, wobei auch der Gastronom Wilhelm Becker eine wichtige Rolle spielte. Er eröffnete 1921 - wohl zunächst als Saisonbetrieb - eine „Kaffeewirtschaft“ am „Glanzpunkt der Stiepeler Alpen“, die er bis 1927 zum ganzjährig betriebenen Rasthaus und Restaurant ausbaute. Gleichzeitig fand der Luftfahrtverein Bochum am Südhang des Henkenberges eine ideale Übungsstätte für seine Segelflieger-Abteilung. So entstand dort bis 1930 eine Segelflug-Schule, wobei die Ruhrwiesen als Landeplatz dienten. Diesen Zustand gibt eine Ansichtskarte von 1934 wieder: rechts das „Rasthaus Henkenberg“ mit Südterrasse, im Vordergrund das Segelflug-Gelände. Die damalige Absenderin schrieb: „Leider gabs von der wunderschönen Gegend hier keine schönere Karte.“ Offensichtlich konnte sie nicht mehr die Postkarte mit dem „Blick vom Henkenberge auf das Ruhrtal“ erwerben, die vom SGV in den 1920er Jahren herausgegeben worden war. Deren gezeichnetes Motiv zeigt links die Stiepeler Dorfkirche und rechts die Burg Blankenstein.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden sowohl der SGV als auch die Segelflieger „gleichgeschaltet“. Die Flugschulung ging in die Hände des „NS-Fliegerkorps und der „Flieger-HJ“ über. Sie ist bis in die ersten Kriegsjahre aufrechterhalten, dann aber eingestellt worden. Der Flugbetrieb wurde später nicht wieder aufgenommen. Die Gaststätte blieb dagegen erhalten, wobei unklar ist, wie lange Wilhelm Becker ihr Betreiber war. Nach ihm führte W. Haarmann, unter dem das Gebäude umgebaut und erweitert wurde, das „Haus Henkenberg“ bis Ende der 1960er Jahre. Dann folgte das Ehepaar Bottmer, das den Ruf des Ausflugslokals über Jahrzehnte und bis ins neue Jahrtausend prägte. Aus dieser Ära stammt auch der Ausschnitt aus einer Mehrbildkarte von 1973. Das Foto verdeutlicht, dass vom alten Gebäude seit dem Umbau nur noch die Terrasse mit dem Bruchsteinsockel wieder zu erkennen war.

Ende 2009 übernahm Adriano Sarnelli die Gastronomie und taufte sie in „La Villa Henkenberg“ um. Sie hat sich vom reinen Ausflugslokal zum mediterranen Restaurant entwickelt, das auch Gesellschaften bis 300 Personen, wie Hochzeiten und anderen Familienfeiern Platz bietet. Der Höhenrücken wurde nach dem Krieg weiter aufgeforstet und sieht heute ganz anders aus als zum Zeitpunkt seiner „Entdeckung“ vor mehr als 90 Jahren. So ist der ehemals freie Hang, von dem die Segelflieger starteten, längst zugewachsen, und die Aussicht auf das Ruhrtal ist nur noch von der Restaurant-Terrasse möglich.

Das ehemalige Gehöft, von dem der SGV den Namen des Henkenbergs entlieh, liegt im Ruhrtal an der Brockhauser Straße. „Henke“ ist ein Stiepeler Hof- und Familienname, der Hof wurde erstmals 1220 erwähnt, die Familie im Jahr 1469. 1786, als im Zuge der „Markenteilung“ zuvor gemeinschaftlich genutztes Land privatisiert wurde, kam der größte Teil des Berges in den Besitz des Henkenhofs.

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