Gruß aus Bochum: Verschwundene Idylle

Teil 8

Im achten Teil der Postkartenserie von Frank Dengler geht es um den alten Weilenbring. Eine Ansichtskarte aus der Zeit um 1910 mit dem Weilenbrink zeigt ein Stück der untergegangenen Altstadt Bochums. Sie führt zurück in die ländliche Vergangenheit als kleine Ackerbürgerstadt, bevor die Industrialisierung zu einem explosionsartigen Wachstum führte.

MITTE

von Von Frank Dengler

, 11.05.2009, 17:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Keimzelle der heutigen Innenstadt gilt die Umgebung der Propsteikirche, wo sich im Mittelalter ein Reichshof befand, der 1041 erstmals erwähnt wurde und in dessen Nähe mit dem Hellweg eine wichtige Handelsstraße verlief. Es entwickelte sich eine Marktsiedlung, zu der auch das Gerberviertel gehörte, das noch bis zum Zweiten Weltkrieg von recht schmalen Straßen und engen Gassen geprägt war. Hier gab es hauptsächlich ältere kleine Häuser, die meist aus Fachwerk errichtet waren.

Namensgeber

Auf der anderen Seite der Propsteikirche lag der Weilenbrink, eine kleine Gasse, die nach einem ehemaligen Bauernhof, dem "Wölenbrinkshof", benannt worden war. Am Weilenbrink befand sich seit 1698 auch die Johanniskirche der reformierten Gemeinde, die wegen ihres gedrungenen Erscheinungsbildes im Volksmund "Pefferdose" genannt wurde.Zwischen Bleichstraße und Ostring

Seit die Gasse im Krieg zerstört worden ist, wissen viele Bochumerinnen und Bochumer gar nicht mehr, dass die heutige Straße gleichen Namens nichts mit dem alten Weilenbrink zu tun hat. Sie befindet sich zwischen Bleichstraße und Ostring und hieß bis 1979 Jahnstraße. Dagegen verlief der historische Weilenbrink von der Massenbergstraße (früher Buddenbergstraße) auf Höhe der Stadtbadgalerie zur Bleichstraße, wo er gegenüber dem Pfarrhaus der Propsteikirche endete.Pfarrhaus im Hintergrund

Diese Ansicht ist auf der alten Postkarte wiedergegeben, denn das Pfarrhaus ist im Hintergrund erkennbar. Die abgebildete Stelle war vor dem Krieg auch als "Malerwinkel" bekannt, weil Generationen von Schülerinnen und Schülern von ihren Lehrern zum Zeichnen dorthin geschickt wurden. Dies ist ein Hinweis darauf, dass man angesichts des rasanten Stadtwachstums irgendwann begann, die Überbleibsel des vorindustriellen kleinen Landstädtchens wieder mehr zu schätzen. Teilweise wurde bereits vor 1900 ein nostalgischer und romantisch verklärter Blick auf die "Fachwerk-Idylle" der ländlichen Vergangenheit Bochums geworfen.

Kleiner Fußweg

 

Nach dem Krieg wurde der zerstörte Weilenbrink im Zuge der neuen Stadtplanung aufgegeben. Deshalb ist es heute nicht mehr möglich, ein Foto von exakt dem gleichen Standort wie auf der historischen Ansicht zu machen. Allerdings gibt es einen kleinen Fußweg, der von der Bleichstraße Richtung Stadtwerke zur Arndtstraße führt und der an der Rückseite des Schwimmbades vorbei verläuft.

Pfarrhaus gibt es noch

Er beginnt ungefähr dort, wo auch der Weilenbrink auf die Bleichstraße traf. Auf dem aktuellen Bild ist ebenfalls im Hintergrund das Pfarrhaus, das den Krieg überstanden hat, zu sehen. Übertragen auf die heutige Perspektive käme der alte Weilenbrink von links und würde das Haus in der linken Bildhälfte durchqueren.

Somit verbleiben heute als Erinnerung an diesen Teil des alten Bochum leider nur der Name und historische Ansichten.