Gute-Laune-Bonbon im Saalbau

Musical "Hello, Dolly!"

WITTEN Man konnte sich des Gefühls nicht erwehren, aus einem Schwarzweiß-Film in eine Technicolor-Welt geraten zu sein. Wer am Donnerstag dem ungemütlichen Wetter erfolgreich getrotzt und auch das Glatteis auf dem Saalbau-Parkplatz gemeistert hatte, wurde mit einem knallbunten Gute-Laune-Bonbon entschädigt.

von Von Cordula Rode

, 29.01.2010, 13:53 Uhr / Lesedauer: 1 min
Szene aus "Hello, Dolly!" mit Ilja Richter.

Szene aus "Hello, Dolly!" mit Ilja Richter.

Ein professionelles Ensemble inklusive Orchester entführte die Zuschauer ins New York der ausgehenden 1950er Jahre.

Die Handlung des weltweit erfolgreichen Musicals "Hello, Dolly!" ist überschaubar: Horace Vandergelder ist ein geiziger, aber wohlhabender verwitweter Futtermittelhändler aus der Provinz.   Er beauftragt Heiratsvermittlerin und Multitalent Dolly Levi ihm eine wohlhabende, sparsame Ehefrau zu suchen und fährt aus diesem Grund nach New York.Verbiesterter Geizhals Für zusätzliche Verwicklungen sorgen Vandergelders Angestellte und seine Nichte. Im Mittelpunkt steht natürlich Dolly, sehr temperamentvoll gespielt und gesungen von Barbara Feruhn. Bei aller Professionalität, die sie unter Beweis stellt, wünscht man sich vielleicht eine Spur mehr Charme, beim Gesang etwas weichere Anklänge. Publikumsliebling ist zweifellos Ilja Richter, der den verbiesterten Geizhals Vandergelder humorvoll und sympathisch spielt und auch gesanglich sehr gut mithalten kann.

Völlig zu Unrecht hängt ihm immer noch das "Disco"-Image an, obwohl er in den letzten Jahrzehnten bewiesen hat, dass er ein hervorragender Boulevard-Schauspieler ist.

Ein wenig zu schrill erscheint im zweiten Teil das Restaurant "Harmonia Garden", zu lärmig sind die Tanzeinlagen und die Figur der Miss Money. Der berühmte Titelsong, mit dem Dolly im Restaurant begrüßt wird, gleicht diese Missstimmigkeiten jedoch aus.

Funke springt nicht über Im Einklang mit dem bunten Bühnenbild und dem hervorragenden Orchester unter der Leitung von Heiko Lippmann wird den Zuschauern leichte Unterhaltung der gehobenen Art geboten. Der Funke springt dennoch nicht über.

Das zumeist ältere Publikum zeigt verhaltene Reaktionen, "zu klamaukig" ist es vielen, einige kommen nach der Pause nicht zurück. Schade, denn "Hello, Dolly!" ist keinesfalls eine Mogelpackung, sondern genau das, was ein solches Musical sein soll: Eine bunte Süßigkeit.