Gutes Kaminholz wird teurer, obwohl Orkan Friederike und Borkenkäfer für Holzberge sorgen

rnBegehrtes Brennholz

Als vor einem Jahr Orkan Friederike tobte, fegte er Tausende Bäume um. Dann kam im Dürresommer der Borkenkäfer und sorgte für wahre Holzberge. Doch wie kommt man an günstiges Kaminholz heran?

Dortmund

, 21.02.2019, 13:37 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am 18. Januar 2018 riss Sturmtief Friederike ganze Wälder um. Dann sorgte der trockene Sommer auch in Nordrhein-Westfalen für eine Plage von Borkenkäfern und massenweise Bäume, die gefällt werden mussten. Da kann man auf die Idee kommen, dass jetzt eine perfekte Zeit ist, um günstig Kaminholz einzukaufen. Wir haben Fragen und Antworten zum Thema aufgeschrieben.

? Über wie viel Holz reden wir?

Der Landesbetrieb Wald und Holz berichtet, dass Sturm Friederike gut 2,1 Millionen Festmeter Holz in Nordrhein-Westfalen umgerissen hat. Ein Festmeter ist ein Kubikmeter feste Holzmasse – also gemessen ohne die Zwischenräume, die beim Stapeln runder Stämme entstehen. Hinzu kommen fast 2 Millionen Festmeter Holz, die auf das Konto des Borkenkäfers gehen. Im Ruhrgebiet fielen jeweils rund 30.000 Festmeter Holz dem Sturm und dem Käfer zum Opfer, im Münsterland waren es 150.000 Festmeter durch den Orkan und 160.000 durch Käfer.

? Welche Holzarten waren besonders betroffen?

Zu mehr als 90 Prozent hat es Fichten getroffen, die wirtschaftlich wichtigste in NRW vorkommende Baumart.

? Was ist mit dem Sturm- und Käferholz passiert?

Zu 95 Prozent wurde das Sturmholz inzwischen aufbereitet, also abtransportiert oder ist fertig zum Abtransport, berichtet auf Anfrage Friedrich Louen für den Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Beim Käferholz habe man erst etwa zwei Drittel des Holzes geschafft. Louen sagt: „Da ist Eile geboten.“
Lokalisierung: Wie ist die Situation in euren Wäldern?

? Warum muss gerade das Käferholz rasch aus den Wäldern verschwinden?

Borkenkäfer nisten sich unter der Rinde, der Borke, ein und schädigen den Baum. Genauer gesagt geht es um Käfer namens „Buchdrucker“ und „Kupferstecher“. Sobald es wärmer als 16,5 Grad wird, sagt Friedrich Louen, schwärmen die Käfer aus und schädigen weitere Bäume. Deshalb müssen befallene Bäume rasch verschwinden.

? Was passiert mit all dem Holz?

Hier gilt es zu unterscheiden, wem der Wald gehört. In NRW gehören 63 Prozent des Waldes rund 152.000 privaten Eigentümern. Der Rest ist in öffentlicher Hand – Kommunen, Land und Bund. Der Eigentümer entscheidet über sein Holz. Aber egal, wem das Holz gehört, letztlich landet es auf dem Holzmarkt, in Säge- und Papierwerken, wird als Möbel- und Bauholz oder eben als Brennholz genutzt. Um dem derzeit herrschenden Überangebot zu begegnen, testet der Landesbetrieb Wald und Holz derzeit, Holz auch nach China zu verschiffen. Dort ist die Nachfrage vor allem nach Bauholz groß.

? Wie kann ein Privatmensch für seinen Kamin an Bruch- oder Schadholz kommen?

Darüber können die regionalen Forstämter informieren. Eine Liste mit Ansprechpartner findet sich hier: www.wald-und-holz.nrw.de/ueber-uns/einrichtungen/regionalforstaemter/

? Ist bei den gewaltigen Holzmengen Kaminholz jetzt extrem preiswert?

Ja und Nein. Bei Nadelholz kann man jetzt sicherlich gute Preise erzielen, aber als Kaminholz sind hierzulande vor allem Laubhölzer wie Buche gefragt, sagt Klaus Egly, Vorsitzender des Bundesverbandes Brennholzhandel und Brennholzproduktion. Das Angebot an Laubholz habe sich aber nicht erhöht, sondern sogar verringert. Das liege daran, dass sich Waldbesitzer im vergangenen Jahr auf die Beseitigung des Sturm- und Käferholzes konzentriert hätten und daher weniger Laubholz geschlagen worden sei. Mit dem wenigen Laubholz werde zunächst die Industrie beliefert, Brennholzhändler erst in zweiter Linie. Mittelfristig müsse man für Brennholz aus Buche mit höheren Preisen rechnen. Für die Brennholzhändler sei die Situation dramatisch: „Unser Verband hat bereits eine schmerzliche Anzahl von Betriebsschließungen wegen Rohstoffknappheit zu beklagen“, sagt Klaus Egly.

? Und Nadelhölzer taugen nicht für den Kamin?

Doch. „Es schadet weder dem Ofen noch dem Schornstein“, sagt Klaus Egly. „Sachlich total daneben“ sei die weitverbreitete Meinung, dass Nadelholz einen geringeren Brennwert als Laubholz habe. Auf das Kilo bezogen habe Nadelholz sogar einen höheren Brennwert. Allerdings sei Nadelholz leichter und daher benötige man für die gleiche Heizleistung mehr Volumen. Man müsse also ein größeres Volumen einkaufen, allerdings gleiche man den Gewichtsnachteil durch den geringeren Preis „locker“ wieder aus, sagt Egly.

? Ist es problematisch, von Käfern befallenes Holz im Kamin zu verbrennen?

„Nur für Menschen, die unter einer Käfer-Phobie leiden, also Angst vor krabbelnden Tieren haben“, sagt Waldexperte Friedrich Louen, „schließlich kann sich ja mal ein Käfer aus dem Brennholzvorrat auf den Weg ins Wohnzimmer machen.“ Ansonsten sei das völlig unproblematisch. Die Käfer interessierten sich nur für die Borke, an Parkett oder anderem bearbeiteten Holz hätten sie kein Interesse.