Gutherziger Engel in einer Welt ohne Mitleid

Neu im Kino

Die Filme der belgischen Brüder Luc und Jean-Pierre Dardenne erzählen gekonnt schlicht und schmucklos von der Tristesse einer Welt, die schwer an unsere erinnert. Graue Städte, Menschen, die sich abrackern oder schon kapituliert haben. Ein bisschen wie die Arbeiten von Ken Loach, den man als geistigen Bruder der Belgier sehen kann. Nur dass der Sozialist Loach immer auch Politik und Klassenfrage im Auge hat.

18.12.2016, 16:28 Uhr / Lesedauer: 1 min
Adèle Haenel als Jenny

Adèle Haenel als Jenny

 In "Das unbekannte Mädchen" führen die Dardennes eine Frau ein, die man, ohne pathetisch zu werden, einen Engel nennen kann: Adèle Haenel spielt die junge Ärztin Jenny, die völlig im Dienst an ihren Patienten aufgeht. Tagsüber steht sie in der Praxis, sie macht Hausbesuche, immer ist sie erreichbar.

Freizeit, Freunde, süßes Nichtstun kennt sie nicht. In einer Szene sehen wir Jenny beim Kochen, das war ihr Privatleben. Einmal aber ist sie nicht für andere da, und das nagt an ihr.

Einmal öffnet sie nicht

Abends klingelt es in Jennys Praxis, sie öffnet nicht. Später erfährt sie, dass ein totes Mädchen gefunden wurde, möglicherweise Opfer eines Verbrechens. Sie war es, die ins Haus wollte. Jenny fühlt sich schuldig, stellt Nachforschungen an. Wer war die Unbekannte?

Die Milieu- und Sozialstudie mausert sich zur Detektivgeschichte und akkumuliert einiges an Spannung. Die Ärztin kann in Teufels Küche kommen, bohrt aber weiter.

Sehenswert

Kino aus dem wahren Leben, fast dokumentarisch sein nüchterner Blick. Formal spröde, liegt die Größe des Films in seiner Menschlichkeit. Sehenswert auch wegen Adèle Haenel.

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